100 Jahre Sprühdose: Von der Erfindung zur Kunstform zwischen Rebellion und Anerkennung
Wichtige Fakten
- • Die Sprühdose wurde am 9. Februar 1926 vom norwegischen Ingenieur Erik Rotheim erfunden und patentiert.
- • Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zunächst militärisch genutzt, bevor Sprühfarbe auf den Markt kam.
- • Die Graffiti-Subkultur entstand in den 1960er- und 1970er-Jahren in New York als jugendlicher Akt der Rebellion.
- • Der Hamburger Künstler Mirko Reisser (DAIM) begann 1989 mit Graffiti und sprühte 2022 in Calgary das mit 96 Metern höchste Wandgemälde der Welt.
- • Trotz der Etablierung als Kunstform (Street Art/Urbane Kunst) bleibt der illegale, rebellische Kern ein zentraler Bestandteil der Graffiti-Kultur.
Die Erfindung und ihre militärische Nutzung
Vor 100 Jahren, am 9. Februar 1926, erfand der norwegische Ingenieur Erik Rotheim die erste Sprühdose und sicherte sich kurz darauf das Patent. Nach militärischer Nutzung im Zweiten Weltkrieg ebnete sie später den Weg für eine neue Kunstform, als Sprühfarbe auf den Markt kam und die Dosen erschwinglich wurden.
Entstehung der Graffiti-Subkultur
In den 1960er- und 1970er-Jahren entstand in New York die Subkultur des Graffiti als Akt der Rebellion, bei dem Jugendliche vor allem ihre Namen verewigten. In den 80er- und 90er-Jahren schwappte die Bewegung als Teil der Hip-Hop-Kultur nach Deutschland, wo sie junge Menschen wie Mirko Reisser (DAIM) in ihren Bann zog.
Der Weg von DAIM von der Illegalität zur Kunst
Der Hamburger Künstler Mirko Reisser hielt 1989 zum ersten Mal eine Sprühdose in der Hand - angezogen vom Abenteuer und Gemeinschaftsgefühl. Sein Weg wandelte sich: Aus dem illegalen Sprüher wurde ein professioneller Künstler mit einzigartigem 3D-Stil, der in Galerien ausstellt und 2022 mit dem 96 Meter hohen Wandgemälde in Calgary einen Weltrekord aufstellte. Damit verkörpert DAIM den Übergang der Subkultur in den Mainstream, wo Begriffe wie Street Art oder Urbane Kunst das einst Verrufene zum anerkannten Kulturgut erhoben haben.
Die anhaltende Bedeutung der Illegalität
Doch trotz dieser Institutionalisierung betont Reisser, dass der illegale, jugendlich-rebellische Kern essenziell für das Verständnis von Graffiti bleibt. Die Sprühdose hat dieses urmenschliche Bedürfnis nach Ausdruck im öffentlichen Raum demokratisiert und verliert auch nach einem Jahrhundert nichts von ihrer Magie, während gleichzeitig junge Menschen weiterhin im Verborgenen ihre ersten Werke schaffen.
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