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Wirtschaft 17.05.2026, 16:22 Aktualisiert: 17.05.2026, 23:01

Billiges Kalbfleisch aus Holland: Deutsche Kälber unter tierschutzwidrigen Bedingungen gemästet

700.000 deutsche Kälber jährlich in niederländischen Mastbetrieben.

Wichtige Fakten

  • 700.000 deutsche Kälber jährlich in niederländischen Mastbetrieben.
  • In den Niederlanden ist Betonspaltenboden ohne Einstreu erlaubt.
  • Kälber erhalten eisenarme Nahrung für weißes Fleisch.
  • Antibiotikaeinsatz in NL fünfmal höher als bei Kühen.
  • Deutsche Mastbetriebe verlieren durch den Export an Wettbewerbsfähigkeit.

Biliger Kalbfleisch-Export: Tierschutzdefizite in den Niederlanden

Jedes Jahr werden rund 700.000 Kälber aus Deutschland in die Niederlande exportiert, um dort gemästet und geschlachtet zu werden. Das Fleisch gelangt anschließend wieder auf den deutschen Markt. Wie das ARD-Wirtschaftsmagazin '+minus' recherchierte, geschieht dies unter Bedingungen, die in Deutschland verboten wären, aber in den Niederlanden legal sind. Der Grund: Die nationalen Gesetze setzen die EU-Richtlinie unterschiedlich um. Während Deutschland strenge Vorgaben für Einstreu, Gruppenhaltung und Spaltenböden vorschreibt, nutzen die Niederlande lediglich die Mindestanforderungen der EU. So stehen die Kälber dort oft wochenlang auf Betonspaltenböden ohne Stroh, in engen Einzelboxen ohne Berührung zu Artgenossen und erhalten fast ausschließlich Milchaustauscher, was das begehrte 'weiße' Kalbfleisch erzeugt.

Konsequenzen für deutsche Landwirtschaft und Tierwohl

Diese Praxis hat deutliche Auswirkungen: Die Zahl der Kälbermastbetriebe in Deutschland ist in den letzten 25 Jahren um etwa 35 Prozent zurückgegangen. Deutsche Landwirte können nicht mit den niedrigeren Produktionskosten in den Niederlanden mithalten, was zu Betriebsaufgaben führt. Gleichzeitig haben deutsche Kontrollbehörden keinerlei Einfluss mehr auf die Haltungsbedingungen der Tiere. Tierschützer kritisieren zudem den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in niederländischen Ställen – die Kälber erhielten bis zu fünfmal mehr als ausgewachsene Kühe. Der Verbraucher erhalte laut Lesley Moffat von 'Eyes on Animals' 'Fleisch von kranken und traurigen Tieren'. Deutsche Mäster fordern daher EU-weit einheitliche Standards, doch die Politik zeigt sich bislang untätig.

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