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International 23.03.2026, 05:17 Aktualisiert: 23.03.2026, 23:05

Brandanschlag auf jüdische Rettungswagen: Ermittlungen zu Iran-Verbindung und Gemeinschaftsangst

Vier Hatzola-Rettungswagen in Golders Green wurden durch Brandstiftung zerstört, drei Verdächtige werden gesucht.

Wichtige Fakten

  • Vier Hatzola-Rettungswagen in Golders Green wurden durch Brandstiftung zerstört, drei Verdächtige werden gesucht.
  • Die Terrorpolizei prüft einen Online-Verantwortungsanspruch der Iran-verbundenen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia.
  • Explosionen von Sauerstoffflaschen beschädigten Fenster eines Wohnblocks und einer Synagoge, 30 Anwohner wurden evakuiert.
  • Die Regierung finanziert den Ersatz der Fahrzeuge, während Spendenaktionen über eine Million Pfund einbrachten.
  • Antisemitische Vorfälle in Großbritannien stiegen auf 3.700 im Jahr 2025, die höchste Rate religiöser Hasskriminalität.

Brandanschlag und Schäden

In der Nacht zum Montag wurden in Golders Green, einem Stadtteil im Nordwesten Londons mit großer jüdischer Bevölkerung, vier Rettungswagen des jüdischen Freiwilligen-Rettungsdienstes Hatzolah durch einen mutmaßlichen Brandanschlag zerstört. Überwachungsvideos zeigen drei Personen mit Kapuzen, die ein Brandbeschleuniger auf die Fahrzeuge gossen und sie in Brand setzten. Die Feuerwehr wurde gegen 01:40 Uhr Ortszeit gerufen und brachte das Feuer unter Kontrolle. Durch explodierende Sauerstoffflaschen in den Rettungswagen gingen Fenster eines benachbarten Wohnblocks und der nahegelegenen Mchzike-Hadath-Synagoge zu Bruch. Als Vorsichtsmaßnahme wurden nahegelegene Häuser evakuiert, rund 30 Anwohner wurden in einer Notunterkunft untergebracht. Verletzte wurden nicht gemeldet.

Ermittlungen und mögliche Verbindungen

Die Ermittlungen wurden von der Terrorpolizei übernommen, obwohl der Vorfall noch nicht als Terroranschlag eingestuft wurde. Die Polizei prüft die Authentizität eines Online-Verantwortungsanspruchs der Iran-verbundenen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia. Sicherheitsquellen, darunter MI5, haben nicht ausgeschlossen, dass Teheran involviert ist, warnen aber vor voreiligen Schlüssen. Die Gruppe hat ähnliche Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Belgien und den Niederlanden beansprucht. Keine Festnahmen wurden bisher gemacht, und die Polizei hat ein Online-Portal für Zeugenvideos eingerichtet.

Reaktionen und Unterstützung

Premierminister Keir Starmer verurteilte den Angriff als "schockierenden antisemitischen Brandanschlag" und kündigte an, die Regierung werde den Ersatz der vier zerstörten Rettungswagen finanzieren. Gesundheitsminister Wes Streeting versprach zusätzliche Unterstützung durch den Londoner Rettungsdienst. Mehr als eine Million Pfund wurden über GoFundMe-Seiten gesammelt, um die Flotte wieder aufzubauen. Oberrabbiner Sir Ephraim Mirvis sprach von einer "ekelerregenden Attacke" auf die Werte der Gesellschaft, während Londons Bürgermeister Sadiq Khan den Vorfall als "dunklen Tag für London" bezeichnete.

Auswirkungen auf die Gemeinschaft

Die jüdische Gemeinschaft in Golders Green berichtet von Angst und Unsicherheit, mit Bewohnern, die sagen, sie fühlen sich weniger sicher als vor einigen Jahren. Die Gemeinschafts-Sicherheitsorganisation CST wies auf Ähnlichkeiten zu jüngsten Angriffen in Belgien und den Niederlanden hin und berichtete von 3.700 antisemitischen Vorfällen im Jahr 2025, der höchsten Rate religiöser Hasskriminalität in Großbritannien. Trotz der Bedrohung betonten Gemeindevertreter wie Michael Wegier vom Board of Deputies of British Jews die Widerstandsfähigkeit der jüdischen Gemeinschaft. Die Polizei hat zusätzliche Streifen in der Gegend angeordnet, um die Gemeinschaft zu beruhigen.

Hintergrund und Sicherheitslage

Der Hatzolah-Dienst, eine seit 1979 in Golders Green tätige gemeinnützige Organisation, bietet kostenlose medizinische Notfallhilfe und Krankentransporte für jüdische und nicht-jüdische Menschen an. Der Vorfall verschärft die bereits angespannte Sicherheitslage für die jüdische Gemeinschaft in London, insbesondere angesichts der steigenden antisemitischen Vorfälle im Land, die nach den Hamas-Angriffen im Oktober 2023 zugenommen haben. Letztes Jahr wurden zwei Menschen bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Manchester getötet, was die Besorgnis weiter anheizt.

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