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Gesellschaft 12.04.2026, 10:44 Aktualisiert: 12.04.2026, 18:03

Gedenken in Buchenwald: Wenige Überlebende und politische Kontroversen prägen 81. Jahrestag

Nur zwei Überlebende konnten 2026 anreisen – so wenige wie nie zuvor.

Wichtige Fakten

  • Nur zwei Überlebende konnten 2026 anreisen – so wenige wie nie zuvor.
  • Hape Kerkeling, Enkel eines Häftlings, hielt die Hauptrede und warnte vor Wegsehen.
  • Proteste wurden untersagt, um den würdigen Gedenktag zu bewahren.
  • Kulturstaatsminister Weimers Rede löste Buhrufe und Kritik von Angehörigen aus.
  • 600 Menschen nahmen an der Gedenkfeier teil, es gab mehrere Demonstrationen.

Gedenkveranstaltung mit historischem Wandel

Am 81. Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald fand eine Gedenkfeier statt, die durch den Mangel an Zeitzeugen einen Wendepunkt markierte: Nur zwei Überlebende konnten aufgrund von Flugbeschränkungen im Kontext des Gaza-Krieges anreisen, so wenige wie nie zuvor. Dies unterstreicht das Ende der direkten Zeitzeugenschaft und den Übergang zu einer postzeitzeugenschaftlichen Erinnerungskultur, bei der nun Enkel von Häftlingen wie Hape Kerkeling die Hauptrede halten.

Politische Spannungen und Protestverbote

Die Gedenkfeier war von politischen Konflikten geprägt: Geplante Proteste, darunter von einer Gruppe, die das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 als Befreiungstat feierte, wurden von der Stadt Weimar untersagt, um einen würdevollen Rahmen zu gewährleisten. Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner betonte, dass solche Demonstrationen menschenfeindliche Ziele vertreten und die rote Linie überschritten. Stattdessen gab es mehrere Versammlungen mit insgesamt bis zu 200 Teilnehmern, die jedoch größtenteils ruhig verliefen.

Kontroverse Reden und öffentliche Reaktionen

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hielt trotz Kritik von Angehörigen, die ihm mangelndes Verständnis für politische Häftlinge vorwarfen, ein Grußwort, das während der Veranstaltung mit Buhrufen und dem Singen des Buchenwald-Lieds konfrontiert wurde. Hape Kerkeling, dessen Großvater als Häftling überlebte, warnte in seiner Rede vor einer "Kultur des Wegsehens" und betonte die Bedeutung der Demokratie. Weitere Redner wie Thüringens Landtagspräsident Thadäus König (CDU) und IKBD-Präsidentin Lena Carlebach mahnten vor antidemokratischen Tendenzen und der Notwendigkeit, Geschichte wachzuhalten.

Aktuelle Debatten und Ausblick

Die Gedenkveranstaltung mit 600 Teilnehmern zeigte, wie aktuelle politische Debatten, etwa um Antisemitismus und autoritäre Strömungen, die Erinnerungskultur beeinflussen. Wagner wies darauf hin, dass das Fehlen von Überlebenden dazu führen könnte, dass Buchenwald zunehmend als Bühne für politische Ziele missbraucht wird. Dies unterstreicht die Herausforderungen, die der Wandel in der Gedenkkultur mit sich bringt, während die Bedeutung der Erinnerung an die NS-Verbrechen weiterhin betont wird.

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