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Gesellschaft 12.03.2026, 05:00 Aktualisiert: 12.03.2026, 15:54

Butsukari-Phänomen in Japan: Schubsen als Ventil für Frustration

Ein Video eines Mädchens, das in Tokio geschubst wird, löste Debatten über Butsukari aus.

Wichtige Fakten

  • Ein Video eines Mädchens, das in Tokio geschubst wird, löste Debatten über Butsukari aus.
  • Experten führen das Phänomen auf Stress und veränderte Geschlechterdynamiken zurück.
  • Eine Umfrage 2024 ergab, dass 14% der Befragten Opfer von Butsukari wurden.
  • Butsukari wird als niedrigrisikale Möglichkeit gesehen, Frustration abzulassen.
  • Der Tourismusboom verschärft das Problem an überfüllten Orten.

Viraler Vorfall löst Diskussion aus

Ein Video, das ein junges Mädchen zeigt, das an einem belebten Fußgängerüberweg in Tokios Shibuya-Viertel von einer Frau zu Boden geschubst wird, hat die Debatte über das Butsukari-Phänomen („Bumping Man“) in Japan neu entfacht. Der Vorfall, der über eine Million Aufrufe auf Instagram erhielt, wird von Experten als Beispiel für ein wachsendes soziales Problem interpretiert, das auf Stress und Geschlechterdynamiken zurückzuführen ist.

Expertenanalyse und Hintergründe

Soziologen wie Kiryu Masayuki von der Toyo Universität erklären Butsukari als Reflexion der modernen Gesellschaft, in der traditionelle Männlichkeitsbilder verloren gehen und Frustrationen in niedrigrisikalen Aggressionen entladen werden. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 unter 21.000 Personen ergab, dass 14% bereits Opfer solcher Vorfälle waren. Das Phänomen, das seit 2018 öffentlich diskutiert wird, betrifft sowohl Männer als auch Frauen, wobei Täter oft die Anonymität der Menschenmengen nutzen.

Tourismus als verschärfender Faktor

Der Tourismusboom in Japan hat das Problem zusätzlich verschärft, da Besucher an überfüllten Orten wie Tokio, Kyoto und Osaka für Fotos anhalten und damit den Verkehrsfluss stören. Nach dem Vorfall mit dem taiwanesischen Mädchen warnte die chinesische Botschaft in Tokio ihre Bürger, in Menschenmengen Abstand zu halten und Smartphones beim Gehen nicht zu nutzen, obwohl keine Hinweise auf eine gezielte nationale Motivation der Täterin vorlagen.

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