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International 11.03.2026, 11:06 Aktualisiert: 11.03.2026, 15:10

Proteste und Spannungen bei Paralympics: Deutsche Athleten wenden sich von russischen Siegern ab

Deutsche Silbermedaillengewinner drehten während russischer Hymne den Rücken ab.

Wichtige Fakten

  • Deutsche Silbermedaillengewinner drehten während russischer Hymne den Rücken ab.
  • Russland nimmt erstmals seit 2014 wieder unter eigener Flagge an Paralympics teil.
  • Ukrainisches Team berichtet von systematischem Druck durch IPC und Organisatoren.
  • Sechs russische und vier belarussische Athleten sind bei den Spielen in Mailand-Cortina dabei.
  • IPC untersucht Proteste und bestätigt Regeln gegen politische Botschaften.

Protest auf dem Podest

Bei den Winter-Paralympics in Mailand-Cortina haben deutsche Medaillengewinner während der Siegerehrung demonstrativ ihren Rücken zu den russischen Goldgewinnerinnen gedreht. Die deutschen Silbermedaillengewinner Linn Kazmaier und ihr Guide Florian Baumann behielten während der russischen Nationalhymne ihre Mützen auf und wandten sich ab, um gegen die Teilnahme Russlands unter eigener Flagge zu protestieren. Sie weigerten sich auch, an dem üblichen Medaillengewinner-Selfie nach der Zeremonie teilzunehmen.

Hintergrund der Kontroverse

Russland nimmt erstmals seit 2014 wieder mit eigenem Team an Paralympics teil, nachdem das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Suspendierung im September aufgehoben hatte. Zuvor war Russland wegen staatlich geförderten Dopings und später wegen des Angriffs auf die Ukraine von internationalen Sportveranstaltungen ausgeschlossen. Insgesamt sechs russische und vier belarussische Athleten sind bei diesen Spielen am Start. Anastasiia Bagiian und ihr Guide Sergei Siniakin gewannen Gold im Sprint der sehbehinderten Frauen, das zweite von bisher drei russischen Goldmedaillen.

Solidarität und politische Dimension

Die deutschen Athleten betonten, ihr Protest richte sich nicht gegen die einzelnen russischen Sportler, sondern gegen die Entscheidung des IPC. Sie wollten Solidarität mit der ukrainischen Mannschaft zeigen, die ebenfalls an den Spielen teilnimmt. Bereits die Eröffnungsfeier wurde von sieben Ländern – darunter die Ukraine – boykottiert. Das IPC hat den Vorfall zur Kenntnis genommen und sammelt Informationen.

Ukrainische Vorwürfe gegen IPC

Das ukrainische Paralympische Komitee beschuldigt das IPC und die Organisatoren der Spiele, ukrainische Athleten und Trainer unter „systematischen Druck“ zu setzen. In einer ausführlichen Stellungnahme berichtete es von „offen negativen Manifestationen und sogar Hindernissen“, darunter die Entfernung einer Ukraine-Flagge aus dem Team-Hauptquartier in Italien und deren Platzierung an einem „weniger sichtbaren“ Ort. Zudem wurde einer ukrainischen Goldmedaillengewinnerin angeblich befohlen, Ohrringe mit der Ukraine-Flagge und der Aufschrift „Stop War“ zu entfernen.

Reaktionen und Regeln

Das IPC erklärte, dass es zwar mitfühlend mit der Situation der Ukrainer sei, dies aber nicht bedeute, dass Regeln gebrochen werden dürften. Ein IPC-Vertreter bestätigte, dass eine ukrainische Medaillengewinnerin gebeten wurde, die Ohrringe zu entfernen, da sie gegen die Regeln gegen politische Botschaften verstoßen könnten. Das Organisationskomitee von Mailand-Cortina 2026 gab an, die Angelegenheiten zu überprüfen, von denen einige zum ersten Mal gehört würden, und betonte, dass alle Regeln gleichermaßen für alle Teams gelten.

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