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Kultur 28.08.2026, 13:48 Aktualisiert: 28.08.2026, 18:03

Junge Ost-Musik: Neue Welle der Herkunftssuche

Thea Alien von Calcou verarbeitet ostdeutsche Identität in 'Everything Okay'

Wichtige Fakten

  • Thea Alien von Calcou verarbeitet ostdeutsche Identität in 'Everything Okay'
  • Daniel Kubiak sieht 'ambivalente Solidarität' der jungen Generation mit Eltern
  • Hendrik Bolz erlebte Fremdzuschreibungen während des Studiums
  • Künstler verarbeiten persönliche Erfahrungen, keine gezielte Gegenbewegung

Künstlerische Auseinandersetzung mit der Herkunft

Mehr als 36 Jahre nach dem Mauerfall widmen sich viele junge Musiker in Ostdeutschland ihrer Herkunft. So erklärte Thea Alien (elektronisches Duo Calcou) ihren Song "Everything Okay" als eine persönliche "Wut-Song" über ostdeutsche Identität und westdeutsche Gleichgültigkeit. Auch der Thüringer Musiker Betterov verarbeitet auf seinem aktuellen Album die Flucht seines Vaters aus der DDR, die ihn noch heute prägt. Für sie sind diese Themen wichtig, wie das Pop-Kultur-Festival in Berlin zeigte.

Gesellschaftlicher Kontext und Generationenfrage

Der Soziologe Daniel Kubiak von der Humboldt-Universität sieht in dieser Hinwendung keinen Zufall. Junge Erwachsene mit ostdeutschen Eltern setzten sich intensiv with deren Transformationserfahrungen auseinander – durchaus ambivalent, wie Kubiak im Interview erläuterte. Bands wie Kraftklub oder Feine Sahne Fischfilet machten es vor, aber der aktuelle Impuls erklärt sich weniger als "neue Welle", denn als universelles Bedürfnis der Selbstverortung.

Blick von außen und Politik

Der Autor Hendrik Bolz (Bukowski), dessen neues Buch "Aus Ruinen" erscheint, bekam häufig vermeintliche Komplimente wie "Krass, du bist Ossi, merkt man gar nicht". Kritisch sieht er solche Aussagen; Kurator Christian Morin betont das Bedürfnis junger Menschen nach historischer Einordnung. Politisch bleibt Herkunft gesellschaftlich aufgeladen, etwa wegen des Ost- und AfD-Bezugs in Wahlkämpfen, weshalb Kubiak warnt, die Musik als bloße Gegenbewegung zu deuten. Gleichzeitig kann diese Kunst auch außerhalb Ostdeutschlands vergeblich Resonanz finden.

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