Teilen:
Dritte Nacht in Nordirland: Polizei zeigt verstärkte Präsenz, Proteste bleiben weitgehend friedlich
Polizei erhöht Präsenz mit zusätzlichen Kräften aus ganz Großbritannien.
Wichtige Fakten
- • Polizei erhöht Präsenz mit zusätzlichen Kräften aus ganz Großbritannien.
- • Etwa 170 Protestierende in Whiteabbey, 100 blockierten Newtownards Road.
- • Kriminologin sieht Parallelen zu rechten Unruhen der letzten Jahre.
- • Polizeichef schließt Beteiligung paramilitärischer Gruppen nicht aus.
- • Solidaritätskundgebung für Samstag in Belfast geplant.
Dritte Nacht: Deutlich ruhiger dank massiver Polizeipräsenz
In Nordirland ist die dritte Nacht in Folge verlaufen, ohne dass es zu größeren Ausschreitungen kam. Die Polizei hatte ihre Präsenz massiv verstärkt, unter anderem mit zusätzlichen Kräften aus anderen Teilen Großbritanniens. In Glengormley und Portadown war die Lage am Mittwoch noch eskaliert, doch am Donnerstag blieben die Proteste weitgehend friedlich. In Whiteabbey versammelten sich rund 170 Menschen, in Ost-Belfast blockierten etwa 100 die Newtownards Road, beide Versammlungen lösten sich ohne Zwischenfälle auf. Die Polizei warnte jedoch, dass sie bei Bedarf erneut Wasserwerfer und Hunde einsetzen werde.Hintergrund und soziale Medien als treibende Kraft
Auslöser bleibt die Messerattacke von Montag, bei der ein Mann schwer verletzt wurde und für die ein sudanesischer Flüchtling verantwortlich gemacht wird. Die Gewalt der vergangenen Tage entzündete sich an rassistischen Hetzkampagnen im Internet. Ein hochrangiger Polizeibeamter stellte klar: „Wir haben keine Hinweise auf eine Koordinierung der Unruhen durch paramilitärische Gruppen. Vielmehr sehen wir eine erhebliche Koordination über soziale Medien, teils von innerhalb, teils von außerhalb Nordirlands.“ Diese Dynamik bezeichnete er als Gift, das die Menschen auf die Straße treibe.Angst und Solidarität in den Communities
Die Verbreitung von Adresslisten mutmaßlicher Migranten in sozialen Netzwerken hat die Angst vor allem in migrantischen Gemeinschaften weiter geschürt. Bewohner berichten von Schlafstörungen, Panik bei Kindern und der Unfähigkeit, zur Arbeit zu gehen. Eine syrische Familie verlor ihren Supermarkt durch Brandstiftung. Viele fühlen sich an die Unruhen während der Troubles erinnert. Dennoch gibt es auch Gegenbewegungen: Die First Ministerin Michelle O'Neill lobte die tägliche Solidaritätsarbeit in den Communities. Zudem ist für Samstag in Belfast eine Kundgebung unter dem Motto „Gemeinsam gegen Hass“ geplant.Internationale Reaktionen und Auswirkungen
Die Unruhen hatten auch kulturelle Folgen: Das Musical 'Mean Girls' am Grand Opera House in Belfast wurde aufgrund der Sicherheitslage komplett abgesagt. Die niederländische Hauptdarstellerin Vivian Panka, erste schwarze Darstellerin der Rolle Regina George, berichtete auf TikTok von ihrer Angst und dass sie ihr Haus nicht verlassen habe. Nordirland-Minister Hilary Benn kündigte an, nächste Woche Vorschläge zu einer stärkeren Regulierung von Social-Media-Plattformen vorzulegen, um die Verbreitung hetzerischer Inhalte in Krisenzeiten zu unterbinden.Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.