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Inland 12.05.2026, 09:22

Pflegekrise: Heimbewohner werden zu Sozialfällen, Kommunen am Limit

Eigenanteil für Pflegeheim: 3.233 Euro pro Monat.

Wichtige Fakten

  • Eigenanteil für Pflegeheim: 3.233 Euro pro Monat.
  • Kommuale Pflegeausgaben stiegen von 2014 bis 2024 um 51%.
  • Pflegeversicherung fehlen 2026 7,5 Milliarden Euro.
  • Bis 2034 werden 500.000 Pflegekräfte fehlen.
  • 86% der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt.

Finanzielle Notlage in der Pflege

Die Finanzlage im Pflegesystem verschärft sich dramatisch. Viele Heimbewohner können die Kosten nicht mehr selbst tragen und werden zu Sozialfällen. Der Eigenanteil pro Monat liegt bundesweit im Schnitt bei 3.233 Euro, wie die Tagesschau berichtet. Im Johann-Hinrich-Wichern-Haus in Zweibrücken müssen Bewohner wie Rainer Weis ihre Ersparnisse aufbrauchen oder sogar das Elternhaus verkaufen, um die Pflege zu finanzieren. Wenn das Schonvermögen von 10.000 Euro aufgebraucht ist, springen die Kommunen ein – mit steigender Tendenz. In Zweibrücken liegt das Defizit im Sozialbereich bei 16 Millionen Euro, die Ausgaben für Pflege haben sich verdoppelt. Laut Deutschem Städtetag stiegen die kommunalen Pflegeausgaben von 2014 bis 2024 um 51 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro. Die Städte fordern eine Soforthilfe des Bundes.

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel

Die Zahl der Pflegebedürftigen hat sich in 20 Jahren auf fast sechs Millionen mehr als verdoppelt und soll bis 2055 auf 6,8 bis 7,6 Millionen steigen. Gleichzeitig fehlen Arbeitskräfte: Schon heute sind 115.000 Stellen unbesetzt, bis 2034 könnten 500.000 Pflegekräfte fehlen. Heimleiter Baumann kritisiert, dass die Babyboomer-Jahrgänge bald Pflege brauchen, aber bereits jetzt die Versorgung kriselt. Auch das Geld wird knapper: Die Pflegeversicherung hat 2025 ein Defizit von 0,5 Milliarden Euro, für 2026 werden 7,5 Milliarden Euro erwartet. Experten prognostizieren bis 2033 sogar ein Loch von über 15 Milliarden Euro.

Politische Reformpläne und Kontroversen

Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will noch im Mai einen Gesetzentwurf vorlegen, der größere Leistungskürzungen vorsieht, etwa einen Neuzuschnitt der Pflegegrade. Zuschüsse der Pflegekasse sollen langsamer steigen. Sozialverbände und selbst die Union kritisieren dies. Auf der Einnahmenseite werden eine Bürgerversicherung, höhere Beitragsbemessungsgrenzen oder eine private Zusatzversicherung diskutiert. Heimleiter Baumann fordert, auch Beamte, Selbstständige und Privatversicherte stärker einzubeziehen. Ohne grundlegende Reformen droht die Lage zu eskalieren: Kommunen sehen bereits ihre Haushalte erodieren und warnen vor höheren Steuern oder Leistungseinschnitten.

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