Labour nach Wahlen am Boden: Historische Verluste, Rücktrittsforderungen und Starmers riskanter Neuanfang
Wichtige Fakten
- • Labour verlor über 1.460 Sitze in England bei Kommunalwahlen.
- • In Wales stürzte Labour auf Platz drei hinter Plaid Cymru.
- • Reform UK gewann 34 Sitze in Wales und 17 in Schottland.
- • SNP gewann fünfte Wahl in Folge, verfehlte absolute Mehrheit.
- • Starmer ernennt Ex-Premier Brown und Harman als Berater.
Desaströse Kommunalwahlen: Historische Verluste für Labour
Die britische Regierungspartei Labour hat bei den Kommunal- und Regionalwahlen vom 7. Mai 2026 eine historische Schlappe erlitten. Mit Verlusten von über 1.460 Sitzen in England – noch mehr als zunächst gemeldet – fiel die Niederlage drastischer aus als die der Konservativen unter Theresa May 2019. Die Wahlbeteiligung lag bei nur 53,1 %. In Wales, einer ehemaligen Labour-Hochburg, stürzte die Partei auf Platz drei hinter die walisische Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und die Rechtspopulisten von Reform UK. Labour-Chef Keir Starmer räumte Fehler ein und gestand, die Hoffnung der Wähler nicht genug bedient zu haben. Er kündigte einen Neuanfang an, lehnte einen Rücktritt jedoch ab.
Schottland: Sieg für SNP, Durchbruch für Reform UK
In Schottland gewann die Scottish National Party ihre fünfte Parlamentswahl in Folge, verfehlte jedoch mit 58 von 129 Sitzen die absolute Mehrheit. Der überraschende Durchbruch gelang Reform UK, die mit 17 Sitzen erstmals ins schottische Parlament einzog. In Wales siegte die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru, während Reform UK 34 Sitze errang. SNP-Chef John Swinney sieht durch die Erfolge der Unabhängigkeitsparteien den „Celtic Squad“ gestärkt, der für eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich eintritt. Auch die Grünen gewannen in London an Einfluss und eroberten Bezirke wie Waltham Forest, Lewisham und Hackney.
Parteiiinterne Kritik: Rücktritt von Erster Ministerin Eluned Morgan
Nach der Wahlschlappe in Wales trat die walisische Labour-First-Ministerin Eluned Morgan vor die Presse und erklärte: „Ich übernehme die Verantwortung und trete zurück“. Sie wandte sich zudem an Westminster und forderte einen Kurswechsel: „Wir müssen wieder zur Partei der Arbeiterklasse werden.“ In England mehren sich die Stimmen, die Starmers Rücktritt fordern. Schätzungsweise 30 Abgeordnete äußerten sich öffentlich, der Premier solle ein Zeitfenster für seinen Abgang nennen. Besonders brisant: Die Labour-Abgeordnete Catherine West kündigte an, eine Führungswahl zu erzwingen, falls kein Kabinettsmitglied bis Montag selbst eine Kandidatur erklärt. Dafür benötigt sie die Unterstützung von 81 Abgeordneten; bisher hat sie 10 sichere Zusagen. Der mächtigen Gewerkschaft Unite the Union zufolge wurde die Arbeiterklasse im Stich gelassen. Auch der Labour-Abgeordnete Ian Lavery warnte: Seine Partei sei „auf dem besten Weg zur Selbstzerstörung“.
Starmer setzt auf Berater-Gespann Brown und Harman – und plant EU-Annäherung
Um seine angeschlagene Position zu stabilisieren, berief Starmer Ex-Premier Gordon Brown als Sondergesandten für globale Finanzen und Harriet Harman als Beraterin für Frauen- und Mädchenschutz. Dies stieß in den eigenen Reihen auf teils scharfe Kritik – ein Labour-Minister bezeichnete die Personalentscheidung als „Witz“. Starmer plant für Montag eine Grundsatzrede, in der er engere Beziehungen zur EU in Aussicht stellen will, um das Wirtschaftswachstum zu beleben. Auch soll er bei der Königsrede am Mittwoch neue Gesetze vorstellen. Allerdings bezweifeln selbst Kabinettsmitglieder, dass weitere „Resets“ ausreichen – ein Minister sagte der BBC: „Es ist terminal – ich sehe keine Möglichkeit mehr, da rauszukommen“.
Aussicht: Premier Starmer auf Bewährung – Reform UK und Grüne profitieren von Labours Erdrutsch
Über 1.460 Sitzverluste in England, dritte Kraft in Wales, Stimmverluste sowohl an Reform UK als auch an die Grünen: Labours Debakel ist historisch. Starmer ringt um sein politisches Überleben, während die Partei tief zerstritten ist, aber noch kein realistischer Nachfolger in den Startlöchern steht.
Das könnte Sie auch interessieren
Peter Murrell zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt
Starmer-Rücktritt: Burnham als Nachfolger nahezu sicher
Zehn Jahre Brexit: Bilanz einer Zäsur – wirtschaftliche Verluste, politische Instabilität und die Renaissance des Finanzplatzes Frankfurt
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.