Wolhynien-Streit: Polen und Ukraine ringen um gemeinsame Geschichte
Wichtige Fakten
- • Zehntausende Polen wurden in Wolhynien von der UPA ermordet.
- • Polens Präsident Nawrocki aberkannte Selenskyj den Orden Weißer Adler.
- • Grund: Selenskyj benannte Einheit nach UPA-'Helden'.
- • Vor Ort suchen Archäologen nach sterblichen Überresten der Opfer.
- • Eine Gedenktafel in Luzk erinnert an ukrainische Opfer durch polnische Polizisten.
Hintergrund und aktuelle Eskalation
Der alte Streit zwischen Polen und der Ukraine über die Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Wolhynien ist neu aufgeflammt. Der unmittelbare Auslöser war die Benennung einer ukrainischen Militäreinheit nach den "Helden der Ukrainischen Aufständischen Armee UPA" durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Daraufhin aberkannte Polens Präsident Karol Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers, eine beispiellose diplomatische Geste. In Wolhynien hatten ukrainische Partisanen der UPA 1943 zehntausende Polen ermordet; es gab aber auch Vergeltungsaktionen gegen Ukrainer.
Bemühungen um Versöhnung vor Ort
Trotz der politischen Spannungen gibt es lokale Initiativen der Verständigung. Archäologen und Historiker, darunter auch Angehörige von Opfern, arbeiten zusammen, um Massengräber zu finden und die Toten zu würdigen. In Olyka fand eine gemeinsame Gedenkzeremonie statt, an der Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz teilnahm. Eröffnet wurde aber auch eine neue Debatte, weil er die Region als historisches "Kleinpolen" bezeichnete, was auf ukrainischer Seite Empörung auslöste.
Belastete Beziehungen und Solidarität in Gefahr
Historisch ist die Erinnerung an die UPA tabu: In der Ukraine gilt die UPA teilweise als Freiheitskämpfer gegen die Sowjetunion, in Polen werden deren Gräueltaten fokussiert. Die unterschiedlichen Narrative erschweren eine gemeinsame Aufarbeitung. Die ukrainische Seite kritisiert ein Ungleichgewicht, weil vor allem polnische Opfer im Fokus stünden. Die angespannte Stimmung zeigte sich zuletzt auch an Übergriffen gegen ukrainische Geflüchtete in Polen, die Regierungschef Donald Tusk verurteilte. In Kyiv wächst die Sorge, dass der Streit die enge Kooperation im Abwehrkampf gegen Russland beschädigen könnte.
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