Thema: Ungleichheit

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Montag, 19. Januar 2026
Wirtschaft 19.01.2026, 01:19
19.01.2026, 12:08
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Oxfam-Bericht: Zahl der Milliardäre über 3.000 – Vermögen steigt weiter, Oxfam warnt vor wachsendem politischem Einfluss

Oxfam zufolge überschritt die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre 2025 erstmals die Marke von 3.000; ihr gemeinsames Vermögen lag bei 18,3 Billionen US-Dollar (Rekordwert).

Laut Oxfam stieg das Vermögen der Milliardäre im vergangenen Jahr um 16 Prozent; seit 2020 legte es inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent zu (Guardian: 81 Prozent bzw. +8,2 Billionen US-Dollar).

Oxfam betont, dass fast die Hälfte der Menschheit in Armut lebt; der Guardian berichtet zudem, dass Fortschritte im Kampf gegen Armut und Hunger zuletzt stockten.

Die zwölf reichsten Menschen der Welt besitzen laut Oxfam zusammen mehr Vermögen als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung (mehr als vier Milliarden Menschen).

Oxfam-Vorständin Charlotte Becker warnt, die Wirtschaftsmacht der Superreichen schlage zunehmend in politische Macht um und höhle demokratische Prozesse aus; Oxfam sieht darin einen Nährboden für antidemokratische Kräfte (u.a. mit Blick auf die USA).

Oxfam illustriert die Einkommensungleichheit am Beispiel Elon Musk: Er verdiene laut Bericht in vier Sekunden so viel wie ein Durchschnittsmensch in einem Jahr.

In Deutschland sei die Zahl der Milliardäre laut Oxfam um ein Drittel auf 172 gestiegen; ihr Vermögen nahm inflationsbereinigt um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar zu. Deutschland habe damit weltweit die viertmeisten Milliardäre.

Oxfam fordert höhere Spitzensteuersätze und die Einführung einer Milliardärssteuer – in Deutschland vor dem Hintergrund der Debatte über eine stärkere Besteuerung großer Erbschaften (SPD-Vorschlag, Ablehnung durch die Union).

Die Datengrundlage des Berichts: zusammengeführte Quellen, u.a. Forbes-Schätzungen, Weltbankdaten und der UBS-Weltvermögensreport.

Der Guardian berichtet unter Berufung auf Co-Autor Max Lawson von jugendgeführten Protesten gegen Ungleichheit in Teilen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas, die teils ignoriert und teils hart unterdrückt worden seien; als Beispiel wird ein Aufstand in Nepal im September 2025 genannt, der zum Sturz der Regierung führte.

Laut Guardian schätzen die Autoren, Milliardäre seien etwa 4.000-mal wahrscheinlicher als Durchschnittsbürger in politischen Ämtern vertreten; zudem seien mehr als die Hälfte der weltweiten Medienunternehmen und neun der zehn größten Social-Media-Plattformen im Besitz von Milliardären.

Laut Guardian verweist Oxfam auf US-Forschung: Wenn Reiche eine Politikmaßnahme unterstützen, liege die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung bei 45 Prozent, bei Ablehnung bei 18 Prozent.

Ausblick

"Oxfam erwartet ohne politische Gegenmaßnahmen (höhere Besteuerung sehr großer Vermögen, stärkere Umverteilung) eine weitere Zuspitzung der Vermögenskonzentration. Gleichzeitig dürfte der Konflikt um Verteilung und demokratische Einflussnahme an Schärfe gewinnen – sowohl durch steuerpolitische Debatten (u.a. Erbschaftsteuer) als auch durch anhaltende Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten, Austerität und Korruption."