Ambulante Operationen: Trend mit offenen Fragen
Wichtige Fakten
- • Über 200.000 Gallenblasen-OPs jährlich in Deutschland sollen zunehmend ambulant erfolgen.
- • Seit 2026 gibt es 69 erweiterte Hybrid-Fallpauschalen für ambulante und stationäre Leistungen.
- • Krankenhausaufwendungen stiegen 2024 um 8,7 Prozent, was die Ambulantisierung vorantreibt.
- • Chirurgen kritisieren fehlende Kurzliegerplätze zur Überwachung nach ambulanten Eingriffen.
- • Moderne Narkose- und Schlüssellochtechniken ermöglichen schnellere Erholung zu Hause.
Trend zur Ambulantisierung
Durch Reformen im Gesundheitswesen sollen immer mehr Operationen, darunter auch größere Eingriffe wie Gallenblasenentfernungen oder Herzkatheteruntersuchungen, ambulant durchgeführt werden. Bisher verblieben Patienten nach solchen OPs ein bis zwei Nächte im Krankenhaus, doch politische und finanzielle Anreize wie Hybrid-Fallpauschalen fördern den Wechsel. Die Gesetzliche Krankenversicherung verzeichnete 2024 ein Defizit von über sechs Milliarden Euro, wobei Krankenhausbehandlungen als Kostentreiber gelten.
Medizinische Perspektiven und Herausforderungen
Mediziner wie Chefarzt Tim Strate betonen, dass ambulante OPs bei gesunden Patienten sicher sein können, vorausgesetzt, jemand kümmert sich nach der Operation um sie. Moderne Techniken wie minimalinvasive Schlüssellochchirurgie und kombinierte Narkoseverfahren ermöglichen eine schnellere Erholung. Narkoseärztin Ulla Ritter sieht Vorteile im reduzierten Stress für Patienten zu Hause. Allerdings warnen Fachleute wie Ralf Schmitz vom Berufsverband der Chirurgen vor unzureichenden Strukturen, etwa fehlenden Kurzliegerplätzen zur Überwachung, was Sicherheitsrisiken birgt.
Finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen
Seit Anfang 2026 gibt es einen erweiterten Katalog von 69 Hybrid-Fallpauschalen, die gleiche Vergütung für ambulante und stationäre Leistungen vorsehen. Dies setzt Kliniken unter Druck, da stationäre Übernachtungen ihre Einnahmen schmälern. Chirurgen äußern Bedenken, dass strenge Regeln nur wenige Patienten für stationäre Nachsorge zulassen, was im Zweifelsfall zu rechtlichen Problemen führen kann. In Reinbek wird eine Studie durchgeführt, um die Sicherheit ambulanter Gallenblasen-OPs zu prüfen, mit dem Ziel, diese bei geeigneten Patienten standardmäßig ambulant durchzuführen, jedoch mit Klinik im Hintergrund für Notfälle.
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