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Wirtschaft 10.02.2026, 09:32 Aktualisiert: 10.02.2026, 18:05

Bauwirtschaft in struktureller Krise: Bürokratie bremst Wohnungsbau und Infrastruktur

Bauwirtschaft liegt 25% unter Gesamtleistung von 2022

Wichtige Fakten

  • Bauwirtschaft liegt 25% unter Gesamtleistung von 2022
  • Nur 215.000 Wohnungen 2026 erwartet bei Bedarf von 257.400
  • Planung einer Umgehungsstraße in Rennerod dauert bereits 34 Jahre
  • Kosten für nicht gebaute Straße: rund 380.000 Euro
  • Verkehrsbelastung führt zu Kaufkraftverlust und blockiert Stadtentwicklung

Strukturelle Krise in der Immobilienwirtschaft

Die Bauwirtschaft in Deutschland steckt laut dem Frühjahrsgutachten der Immobilienweisen 2026 in einer strukturellen Krise und liegt ein Viertel unter ihrer Gesamtleistung von 2022. Grund sind hohe bürokratische Hürden, die Investitionen bremsen und Innovationen verzögern. ZIA-Präsidentin Iris Schöberl fordert klare Reformschritte wie einfacheres Bauen (Gebäudetyp E) und einheitliche Planungsverfahren. Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld warnt die Koalition vor weiterem Nichtstun: "Investitionen werden zurückhaltender getätigt, Innovationen verzögern sich und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts leidet."

Alarmierende Situation im Wohnungsbau

Für 2026 werden nur 215.000 fertiggestellte Wohnungen erwartet, während der jährliche Bedarf bis 2040 bei 257.400 Einheiten liegt. Die Nachfrage baut sich weiter auf, da Genehmigungen Jahre dauern und Regeln zwischen Bundesländern wechseln. Schöberl betont: "Schneller bauen heißt: Weniger Bürokratie - alles andere bremst den Wohnungsbau aus." Der von der Bundesregierung beschlossene "Bau-Turbo" sei zwar ein erster Schritt, aber kein "Gamechanger".

Fallbeispiel: Jahrzehntelange Planungsodyssee

Die Planung der Umgehungsstraße in Rennerod begann vor 34 Jahren und ist bis heute nicht abgeschlossen. Nach zahlreichen Einwänden und Verfahrensverzögerungen müssen die Planungen nun neu starten, wobei bereits Kosten von 380.000 Euro angefallen sind. Der Landesbetrieb Mobilität rechnet mit weiterem Widerstand und kann keinen Zeitrahmen für den Abschluss nennen. Verbandsbürgermeister Gerrit Müller (44) hofft, dass die Straße gebaut wird, bevor er in Rente geht.

Folgen für die Stadtentwicklung

Der Verkehr belastet die Stadt erheblich, führt zu Kaufkraftverlust und blockiert andere Projekte. Müller erklärt: "Wir können nicht für andere Projekte planen - etwa für eine Neubausiedlung oder zwei Gewerbegebiete. All das hängt von der Umgehungsstraße ab." Der überregionale Lkw-Verkehr rollt täglich durch Rennerod, was die Lebensqualität beeinträchtigt und wirtschaftliche Entwicklung hemmt.

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