Iran-Krieg belastet Märkte: Ölpreise treiben Inflation und Energiewende voran
Wichtige Fakten
- • Die USA erlauben 30 Tage lang den Kauf von russischem Öl auf Schiffen, um die Märkte zu entspannen.
- • Der Ölpreis stieg seit Kriegsbeginn um 30 Prozent und überschritt die 100-Dollar-Marke.
- • Renditen deutscher Staatsanleihen nähern sich 3 Prozent, was auf Inflationsängste hindeutet.
- • Die Nachfrage nach Solaranlagen und Energieberatungen hat sich in Deutschland fast verdoppelt.
- • Die Straße von Hormus ist blockiert, was 20 Prozent des Weltölhandels betrifft.
Marktentwicklung und Börseneinbrüche
Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen setzen sich die Sorgen an den Finanzmärkten fort, wobei der DAX am Freitag mit einem Minus von gut einem Prozent bei 23.350 Punkten startete. Auf Wochensicht verzeichnet der deutsche Leitindex ähnlich hohe Verluste, und insgesamt sind seit Kriegsbeginn bereits sieben Prozent an Wert verloren gegangen. Die US-Börsen setzten ihre Talfahrt fort, mit dem Dow Jones bei minus 1,6 Prozent auf 46.677 Punkte, während auch asiatische Märkte wie der Nikkei in Japan um 1,2 Prozent nachgaben. Anleger hoffen noch auf einen 'Trump-Put', also ein Eingreifen des US-Präsidenten bei stärkeren Marktturbulenzen, aber die Nervosität wächst täglich, besonders wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt und die Märkte in Richtung Stagflation tendieren könnten.
Ölpreise und Inflationsrisiken
Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent ist seit Kriegsbeginn um etwa 30 Prozent gestiegen und hat erstmals seit 2022 die Marke von 100 US-Dollar übersprungen, zeitweise sogar 111 Dollar erreicht. Diese hohen Energiekosten schüren Inflationsängste, da teures Öl und Gas schnell auf andere Preise durchschlagen könnten. Experten wie Torsten Schmidt vom RWI-Leibniz-Institut warnen, dass bei einem Krieg, der länger als einen Monat dauert, die Inflation in Deutschland vorübergehend auf bis zu sechs Prozent steigen könnte, während an der Zapfsäule Benzin und Diesel weiterhin um zwei Euro pro Liter kosten dürften. In den USA, etwa in Detroit, sind die Spritpreise ebenfalls gestiegen, mit Preisen von über 4 US-Dollar pro Gallone für Diesel, was zu Frustration bei Autofahrern führt.
US-Maßnahmen und geopolitische Spannungen
Die USA haben als Reaktion auf die gestiegenen Energiepreise Sanktionen gelockert und erlauben nun 30 Tage lang den Kauf von russischem Öl, das sich bereits auf Schiffen befindet, um das Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern. Finanzminister Scott Bessent bezeichnete dies als 'eng begrenzte' und 'kurzfristige' Maßnahme, die der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen soll. Gleichzeitig inszeniert sich Kremlchef Wladimir Putin als verlässlicher Energielieferant, da Russland von den gestiegenen Ölpreisen profitiert, und betont die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Staaten wie China und Indien.
Rentenmarkt und Notenbankpolitik
Die gestiegenen Ölpreise befeuern Zins- und Inflationsängste, was sich am Rentenmarkt zeigt: Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen nähern sich bei 2,96 Prozent der psychologisch wichtigen Marke von 3 Prozent, dem höchsten Stand seit 2023. Dies deutet auf wachsende Unsicherheit hin, da höhere Inflationsraten Notenbanken wie die EZB zwingen könnten, die Zinsen anzuheben, was jedoch die Konsumneigung dämpfen und Konjunktursorgen verstärken würde. Aktienstratege Emmanuel Cau von der Barclays Bank warnt, dass die Märkte bei längerer Sperrung der Straße von Hormus stärker in Richtung Stagflation tendieren könnten.
Energiewende als Reaktion auf die Krise
Die steigenden Öl- und Gaspreise haben einen unerwarteten Push für erneuerbare Energien ausgelöst. Die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Energieberatungen ist in Deutschland sprunghaft angestiegen, mit Berichten von einer Verdoppelung der Solarmodul-Verkäufe und einer Verdreifachung der täglichen Beratungsanfragen. Experten wie Volker Quaschning von der HTW Berlin betonen, dass Energiekrisen historisch gesehen Lerneffekte und Investitionen in alternative Technologien fördern können, obwohl das aktuelle Tempo der Energiewende noch zu langsam ist, um schnell Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu erreichen.
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