Diddl-Maus feiert Comeback: Girlpower statt Guilty Pleasure
Wichtige Fakten
- • Diddl-Maus ist wieder im Handel erhältlich und stark nachgefragt.
- • In Frankreich sind einige Artikel bereits vergriffen, Sammlerstücke erzielen hohe Preise.
- • Das Revival wird mit der Neubewertung weiblicher Jugendkultur der 90er verbunden.
- • Feministische Autorinnen sehen das Comeback als ironiefreie Anerkennung von Girlpower.
- • Historiker warnen, die nostalgische Sicht blende Sexismus und Homophobie der 90er aus.
Comeback der Kultmaus
Die Diddl-Maus erlebt ein überraschendes Comeback. Nach Jahren der Abwesenheit ist das süße Nagetier mit Latzhose und großen Füßen wieder im Handel erhältlich. In Berlin berichten Buchhändler, dass die neuen Diddl-Blöcke den Mitarbeitern förmlich aus den Händen gerissen werden. In Frankreich, wo die Artikel früher eingeführt wurden, sind einige Produkte bereits vergriffen. Sammlerstücke erzielen Tauschwerte von mehreren hundert Euro.
Neubewertung der 90er-Jahre
Das Revival fällt in eine Zeit, in der auch andere Elemente der 90er wie Eurodance, Girlgroups und die Girlpower-Ästhetik eine Renaissance feiern. Während es in den 90ern als uncool galt, Diddl zu mögen oder Mädchenkultur zu zelebrieren, findet heute eine ironiefreie Wertschätzung statt. Die Rapperin Ikkimel hat Diddl bereits in einem Song verarbeitet. Soziologin Nadia Shehadeh sieht darin eine längst überfällige Anerkennung weiblich geprägter Popkultur.
Nicht nur Nostalgie
Historiker Tobias Becker betont, dass der Trend nur bedingt Nostalgie sei: Viele junge Menschen, die die 90er nicht selbst erlebt haben, eigneten sich die Ästhetik heute neu an. Zugleich warnten Stimmen vor einer verklärten Sicht, die Sexismus und Homophobie kritisch betrachte. Das Comeback der Diddl-Maus könnte dabei auch ein Statement sein: Sie symbolisiert die Aufwertung von Freude und Zuneigung, die lange trivialisiert wurde.
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