Dokumentation deckt sexistische Missstände im 90er-Jahre-Fernsehen auf
Wichtige Fakten
- • Doku zeigt systematischen Sexismus in 90er-TV-Shows.
- • Heute würden Gottschalks Kniepatscher Shitstorms auslösen.
- • Pionierinnen trotzten frauenfeindlichen Witzen und Rollenklischees.
- • Humor wurde genutzt, um weibliche Konkurrenz zu torpedieren.
- • Viele Mechanismen sexistischer Witze funktionieren noch heute.
Sexismus im Fernsehen der 90er
Eine neue Dokumentation der Journalistinnen Eva Müller und Isabel Schneider zeigt die alltäglichen sexistischen Übergriffe und Witze im deutschen Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre. Archivmaterial von 'Wetten, dass..?', 'Tutti Frutti' oder 'Schmidteinander' belegt, wie Entertainer wie Thomas Gottschalk mit vorgeblich harmlosen Gesten wie Kniepatschern und Hinternklopfen Grenzen überschritten, ohne dass dies damals auf Kritik stieß. Erst heute würden solche Szenen Empörung auslösen.
Weibliche Pionierinnen und ihre Kämpfe
Im Film kommen fünf Protagonistinnen zu Wort, die in den 90ern selbst TV-Geschichte schrieben: Maren Kroymann, Esther Schweins, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Hella von Sinnen. Sie berichten, wie sie auf frauenfeindliche Witze und Anzüglichkeiten reagierten – oft mit Gelächter, um Grenzüberschreitungen zu verlachen. Hella von Sinnen musste sich als 'dicke, lustige, lesbische Frau' durchsetzen, Esther Schweins wurde auf ihren Sexappeal reduziert. Die Doku zeigt, dass die männlichen Entertainer mit geschmacklosen Sprüchen den Aufstieg ihrer Kolleginnen torpedierten, und beweist, wie wegweisend die Pionierinnen für die deutsche Comedylandschaft waren.
Humor als Machtfaktor
Die Filmemacherinnen haben bewusst keine Interviews mit den männlichen Kollegen geführt, da alle verletzenden Szenen direkt im Fernsehen ausgestrahlt wurden und nicht hinter den Kulissen stattfanden. Bis heute seien Mechanismen sexistischer Witze wirksam, wie aktuelle Beispiele um Dieter Nuhr und die RTL-Show 'Bad Boyfriends' zeigen. Humor, so die Doku, ist nie nur Zeitgeist, sondern auch ein Machtfaktor – ein Fakt, den die heutige Comedienne Gazelle (400k TikTok-Follower) bestätigt, die ihre Kunst als Auftrag zur Diskriminierungsfreiheit versteht.
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