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Kultur 18.07.2026, 04:00 Aktualisiert: 18.07.2026, 10:06

Ghanaische Filmplakatkunst: Fantasievollere Interpretationen als die Filme selbst

Handgemalte Filmplakate waren von 1970er bis 2000er in Ghana verbreitet.

Wichtige Fakten

  • Handgemalte Filmplakate waren von 1970er bis 2000er in Ghana verbreitet.
  • Künstler fügen oft nicht im Film vorkommende Elemente hinzu, um Zuschauer anzulocken.
  • Die Praxis wiederbelebt durch Online-Verkäufe an westliche Filmliebhaber.
  • Deadly Prey Gallery arbeitet mit 15 Künstlern, Preise ab 600 Dollar.
  • Übertreibungen führten zu Beschimpfungen und Angriffen getäuschter Zuschauer.

In Ghana waren handgemalte Filmplakate von den späten 1970ern bis zu den frühen 200ern ein Kennzeichen der Filmkultur. Da die Originalplakate die Zuschauer nicht anzogen, schufen lokale Künstler fantasievolle Interpretationen, die oft wild von der Vorlage abwichen. Künstler wie Heavy J (Jeaurs Affutu) malten Szenen, die im Film nicht vorkamen, wie Schädel und Messer für The Little Mermaid. Ziel war es, das Interesse der Zuschauer zu wecken, auch wenn die Plakate streng genommen „Fälschungen“ waren.

Mit der Verbreitung von Fernsehern und Videorekordern um die Jahrtausendwende gingen die Videoclubs zurück, und viele Plakatmaler gaben das Handwerk auf. Doch die Plakate erlangten internationale Aufmerksamkeit durch Bücher und Ausstellungen und werden heute als Sammlerobjekte geschätzt. Die Deadly Prey Gallery, gegründet 2012 von Robert Kofi und Brian Chankin, bewahrt und fördert diese Tradition. Sie arbeitet mit 15 Künstlern zusammen und verkauft die Plakate online – hauptsächlich in die USA. Einzelaufträge beginnen bei 600 Dollar.

Die Plakate zeichnen sich oft durch Übertreibungen aus, die aus einer afrikanischen Tradition des „Visualisierens des Unsichtbaren“ stammen, wie der Kulturwissenschaftler Joseph Oduro-Frimpong erklärt. Übertreibungen führten, wie Robert Kofi erzählt, nicht selten zu Drohungen, Beschimpfungen und sogar körperlichen Angriffen, wenn das Publikum nach dem Film die abgebildeten Szenen vermisste. So weckte ein Plakat, das eine Enthauptung zeigte, falsche Erwartungen an den Actionfilm Double Impact. Dennoch sehen Kofi und die Künstler das Handwerk als eine wichtige Tradition an, die es zu bewahren gilt.

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