Kinderarmut in Deutschland: Experten kritisieren politische Untätigkeit und ungerechte Steuerfreibeträge
Wichtige Fakten
- • Kinderarmut betrifft 1,5 Millionen Menschen in Deutschland, Tendenz steigend.
- • 64% der betroffenen Kinder leben in Familien mit mindestens einem erwerbstätigen Elternteil.
- • Der BEA-Freibetrag begünstigt Gutverdienende und verstärkt soziale Ungleichheit.
- • Eine Kürzung des Freibetrags könnte 3,5 Mrd. Euro jährlich für arme Kinder mobilisieren.
- • Experten fordern eine Reform der Familienförderung, da staatliche Leistungen zu gering sind.
Kinderarmut als ungelöstes Problem
Kinderarmut bleibt in Deutschland ein drängendes Problem, das laut Experten wie Marcel Fratzscher politisch zu wenig Beachtung findet. Initiativen wie die Kindertafeln in Wuppertal und Schweinfurt versuchen, mit warmen Mahlzeiten und Hausaufgabenbetreuung gegenzusteuern, verzeichnen jedoch steigende Nachfrage, was auf wachsende Armut hinweist. Viele betroffene Kinder leben in prekären Verhältnissen, etwa in Obdachlosenunterkünften, was Bildungschancen beeinträchtigt.
Ungerechte Steuerfreibeträge im Fokus
Experten kritisieren die ungleiche Wirkung des BEA-Freibetrags, der vor allem Gutverdienenden zugutekommt, während einkommensschwache Familien kaum profitieren. Laut Michael Klundt sind staatliche Leistungen zu niedrig, um Armut zu bekämpfen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt, dass eine Kürzung des Freibetrags 3,5 Milliarden Euro jährlich freisetzen könnte, was gezielte Unterstützung für arme Kinder ermöglichen würde.
Politische Verantwortung und Reformvorschläge
Steuerrechtlerin Johanna Hey argumentiert, dass der BEA-Freibetrag keine verfassungsrechtliche Notwendigkeit ist, und plädiert für seine Abschaffung zugunsten einer gerechteren Familienförderung. Das Bundesfinanzministerium verweist hingegen auf verfassungsrechtliche Vorgaben. Ohne Reformen, so die Warnung, werden die langfristigen Kosten der Kinderarmut weiter steigen.
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