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International 23.04.2026, 05:49

Libanon vor direkten Verhandlungen mit Israel: Zwischen Hoffnung und Bürgerkriegsangst

Direkte Verhandlungen zwischen Libanon und Israel finden erstmals seit drei Jahrzehnten statt.

Wichtige Fakten

  • Direkte Verhandlungen zwischen Libanon und Israel finden erstmals seit drei Jahrzehnten statt.
  • Viele Libanesen vertrauen der Hisbollah mehr als der eigenen Regierung und Armee.
  • Israelische Luftangriffe töteten eine Journalistin und verletzten eine weitere in Südlibanon.
  • Die libanesische Regierung wirft Israel Kriegsverbrechen vor, darunter gezielte Angriffe auf Medien.
  • Eine brüchige Waffenruhe soll Verhandlungen über dauerhaften Frieden ermöglichen.

Direkte Gespräche und gespaltene Gesellschaft

Erstmals seit drei Jahrzehnten führen Libanon und Israel direkte Verhandlungen, die von den USA als "historischer Meilenstein" bezeichnet werden. Libanons Premierminister Nawaf Salam verteidigt die Diplomatie als verantwortungsvolles Handeln zur Wiederherstellung der Souveränität. Gleichzeitig ist die libanesische Gesellschaft tief gespalten: Viele Bürger vertrauen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz mehr als der eigenen Regierung und Armee, die sie als zu schwach im Schutz gegen israelische Besatzungspläne empfinden. Diese Spaltung befeuert die Angst vor einem neuen Bürgerkrieg in einem Land, das noch die traumatischen Erinnerungen an den 15-jährigen Konflikt trägt.

Brüchige Waffenruhe und Kriegsverbrechen-Vorwürfe

Eine vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah ist bereits brüchig, mit gegenseitigen Angriffen an der Grenze. Besonders belastend sind Vorwürfe der libanesischen Regierung über israelische Kriegsverbrechen: Bei Luftangriffen in Südlibanon wurde die Journalistin Amal Khalil getötet und eine weitere verletzt. Das libanesische Gesundheitsministerium wirft Israel vor, gezielt Rettungsteams behindert und eine markierte Ambulanz angegriffen zu haben. Israel bestreitet dies und behauptet, die Angriffe hätten militärische Ziele der Hisbollah getroffen.

Humanitäre Krise und Flüchtlingslager

Im Süden Libanons und in Beirut leben Tausende in provisorischen Zeltlagern, ohne Strom, Waschräume oder Toiletten. Trotz der Waffenruhe trauen sich viele nicht nach Hause zurück, aus Angst vor erneuten Angriffen und weil ihre Häuser zerstört sind. Die Geflüchteten, darunter viele Schiiten, lehnen Kompromisse mit Israel ab und setzen ihr Vertrauen in den Kampf der Hisbollah. Die libanesische Regierung steht vor der Mammutaufgabe, neben den Verhandlungen auch den Wiederaufbau und die humanitäre Versorgung zu organisieren.

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