Studie zu Missbrauch im Erzbistum Paderborn: Neue Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt
Wichtige Fakten
- • Studie deckt 489 Opfer durch 210 Geistliche von 1941 bis 2002 auf.
- • Sprecher der Betroffenenvertretung erhebt neue Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt.
- • Systematische Vertuschung durch innerkirchliche Versetzungen und Druck auf Betroffene.
- • Zweiter Teil der Studie für Jahre 2003-2023 soll im nächsten Jahr erscheinen.
Erschreckende Zahlen und systematische Vertuschung
Eine Studie der Universität Paderborn enthüllt das erschütternde Ausmaß des Missbrauchsskandals im Erzbistum Paderborn: Von 1941 bis 2002 haben sich 210 Geistliche an 489 minderjährigen Opfern vergangen. Laut Studienleiterin Prof. Dr. Nicole Priesching liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich höher, da sich nicht alle Betroffenen gemeldet haben. Die Forschenden hatten uneingeschränkten Zugang zu Kirchenakten und führten zahlreiche Interviews.
Neue Vorwürfe gegen Kardinal Degenhardt
Der verstorbene Kardinal Johannes Joachim Degenhardt (Amtszeit 1974-2002) steht im Zentrum schwerster Vorwürfe. Der Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, hat neue Vorwürfe erhoben, dass Degenhardt mutmaßlich sexualisierte Gewalt an einem minderjährigen Jungen ausgeübt habe. Das Erzbistum Paderborn erklärte, diese Vorwürfe nun prüfen zu wollen. Die Studie liefert zwar keine neuen konkreten Täter-Erkenntnisse zu Degenhardt, nennt aber zwei bis drei Vorwürfe.
Systematische Vertuschung durch Kirchenführung
Die Studie zeigt eine systematische Vertuschung: Obwohl es zahlreiche Meldungen an die Erzbischöfe Jäger und Degenhardt gab, wurden Täter nur innerkirchlich durch Versetzungen bestraft. Degenhardt übte zudem Druck auf Betroffene und Familien aus, um Anzeigen zu verhindern. Diese "Vertuschungsspirale" sorgte laut Priesching dafür, dass Täter ungestraft weitermachen konnten. Oft begriffen Kinder nicht, was mit ihnen geschah, oder ihnen wurde nicht geglaubt.
Fortsetzung der Aufarbeitung angekündigt
Die heute veröffentlichte Studie deckt nur den Zeitraum bis 2002 ab. Ein zweiter Teil, der die Amtszeit von Erzbischof Hans-Josef Becker (2003-2023) untersucht, soll im nächsten Jahr veröffentlicht werden. Mögliche Taten aus dieser Zeit wären dann noch nicht verjährt, was rechtliche Konsequenzen ermöglichen könnte. Die vollständige Aufarbeitung des Skandals bleibt damit ein langwieriger Prozess.
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