Papst weiht Sagrada Familia: Gaudís Jahrhundertbau erreicht neue Höhen
Wichtige Fakten
- • Papst Leo XIV. weiht am 10. Juni 2026 den Hauptturm.
- • Mit 172,5 Metern ist die Sagrada Familia höchste Kirche der Welt.
- • Hundert Jahre nach Gaudís Tod wächst Kritik am Touristenrummel.
- • Gaudís Pläne wurden nur zu etwa einem Fünftel realisiert.
- • Fertigstellung der Kirche ist für 2035 geplant.
Einweihung mit Rekordhöhe
Papst Leo XIV. hat am 10. Juni 2026, dem 100. Todestag von Antoni Gaudí, den Hauptturm der Sagrada Familia in Barcelona geweiht. Mit 172,5 Metern überragt das begehbare Kreuz das Ulmer Münster und macht die Basilika zur höchsten Kirche der Welt. Der Turm ist das jüngste vollendete Teilstück des monumentalen Bauwerks, das Gaudí zu Lebzeiten nur zu rund 20 Prozent realisieren konnte. Bereits im Februar 2026 wurde der Jesus-Christus-Turm fertiggestellt. Die Weihe durch den Papst unterstreicht die Bedeutung des Sakralbaus als touristische Attraktion: Rund fünf Millionen Besucher jährlich spülen 130 Millionen Euro in die Baukasse.
Kritik am Kommerz und fehlender Ruhe
Allerdings wächst auch die Kritik an der Entwicklung. Kunsthistorikerin Carolina García-Estévez bezweifelt, dass ein begehbares Kreuz mit Panoramaaufzug im Sinne Gaudís sei. Anwohner klagen über zunehmenden Kommerz, Andenkenläden und Touristenmassen, die das Viertel veränderten. Ältere Menschen trauten sich kaum noch aus dem Haus. Zudem sorgt ein geplanter Abriss von Wohnhäusern für den Haupteingang für Widerstand. Die Frage, ob der Weiterbau wirklich Gaudís Intentionen entspricht – viele Originalpläne verbrannten 1936 im Bürgerkrieg – bleibt bestehen.
Gaudís Vermächtnis und unvollendetes Werk
Gaudí, am 7. Juni 1926 nach einem Straßenbahnunfall gestorben, hatte die Bauleitung 1883 übernommen. Seine organische Architektur, die sich an der Natur orientierte, machte ihn zum Vertreter des katalanischen Modernismus. Trotz wechselnder Moden und politischer Umbrüche wurde sein Traum weitergebaut – auch mithilfe von Aufzeichnungen junger Architekten. Der Abschluss ist nun für 2035 avisiert, mehr als 150 Jahre nach der Grundsteinlegung. Gaudí soll einst gesagt haben: "Mein Auftraggeber hat keine Eile." Heute liegt die Kirche im Spannungsfeld zwischen spirituellem Erbe und touristischer Vermarktung.
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