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Wissen 16.01.2026, 04:54 Aktualisiert: 16.01.2026, 20:22

Pompeji-Studie: Kalkkrusten zeigen trübes, schwermetallbelastetes Wasser in republikanischen Thermen

Ein Team der Johannes Gutenberg-Universität Mainz um Geochemikerin Gül Sürmelihindi analysierte erstmals chemisch Kalkablagerungen (Kalziumkarbonat-Krusten) aus dem Wassersystem der republikanischen Thermen in Pompeji.

Wichtige Fakten

  • Ein Team der Johannes Gutenberg-Universität Mainz um Geochemikerin Gül Sürmelihindi analysierte erstmals chemisch Kalkablagerungen (Kalziumkarbonat-Krusten) aus dem Wassersystem der republikanischen Thermen in Pompeji.
  • Mitautor der Studie ist Cees Passchier.
  • Die Ablagerungen dienen als „Speicher“ für Informationen über Wasserzusammensetzung und Wasserfluss, die aus Architektur und schriftlichen Quellen allein nicht erschließbar sind.
  • Die Daten deuten darauf hin, dass das Badewasser oft trüb war – eine Mischung aus Badeölen und Körperflüssigkeiten – und nur selten komplett erneuert wurde.
  • Für die frühe Phase der Wasserversorgung nutzte Pompeji Brunnen und von Sklaven angetriebene Hebewerke (Tretrad), um Wasser in Eimern zu fördern.
  • Laut den Forschenden konnten vermutlich etwa 1.000 Liter frisches Grundwasser pro Stunde gefördert werden, was einen täglichen Komplettwasserwechsel praktisch ausschloss (eine frühere Angabe „pro Tag“ wurde in einer Korrektur als falsch bezeichnet).
  • Aus den Kalkspuren schließen die Forschenden, dass die Technik später effizienter wurde: Beim Hochpumpen wurde offenbar weniger Wasser verschüttet, möglicherweise durch geänderte Eimer und/oder ein verbessertes Hebewerk.
  • Spuren von Schwermetallen (u. a. Blei, Zink, Kupfer) werden mit Legierungen von Heizkesseln in Verbindung gebracht; gleichzeitig bildete das sehr kalkhaltige Wasser rasch eine schützende Schicht auf dem Metall.
  • Die republikanischen Thermen wurden später aufgegeben und in einen Garten umgewandelt; dadurch blieben alte Ablagerungen erhalten.
  • Als um etwa 20 v. Chr. unter Augustus ein Aquädukt sauberes Wasser in die Stadt brachte, wurden andere Bäder modernisiert und alte Ablagerungen häufig entfernt.
  • Chemische Schwankungen in den Ablagerungen könnten durch variierende Mengen von vulkanisch gelöstem Kohlendioxid (CO₂) im Grundwasser erklärt werden; ähnliche Schwankungen werden auch an anderen Vulkanen beobachtet und könnten ein frühes Anzeichen vulkanischer Aktivität Jahrzehnte vor dem Ausbruch sein.
Kalkablagerungen im Wassersystem der republikanischen Thermen von Pompeji zeichnen ein deutlich weniger hygienisches Bild der antiken Badekultur als lange vermutet. Ein Forschungsteam der Johannes Gutenberg-Universität Mainz um die Geochemikerin Gül Sürmelihindi hat die Kalziumkarbonat-Krusten erstmals chemisch untersucht. Wie Mitautor Cees Passchier erläutert, funktionieren die Ablagerungen als „Speicher“ und liefern Informationen zur Wasserzusammensetzung und zum Wasserfluss, die sich aus Architektur und Schriftquellen allein nicht gewinnen lassen. Die Analysen sprechen dafür, dass das Badewasser häufig trüb war – eine Mischung aus Badeölen und Körperflüssigkeiten – und nur selten vollständig ausgetauscht wurde. In der frühen Phase stützte sich die Versorgung auf Brunnen und von Sklaven angetriebene Hebewerke mit Tretrad. Nach Angaben der Forschenden konnten dabei etwa 1.000 Liter Frischwasser pro Stunde gefördert werden, was einen kompletten täglichen Wasserwechsel kaum möglich machte; eine frühere Formulierung „pro Tag“ wurde in einer späteren Korrektur als falsch richtiggestellt. Spuren in den Ablagerungen deuten zudem darauf hin, dass Betreiber später nachbesserten und beim Hochpumpen weniger Wasser verschütteten – vermutlich durch veränderte Eimer oder ein effizienteres Hebewerk. Gleichzeitig belasteten Legierungen von Heizkesseln das Wasser mit Schwermetallen wie Blei, Zink und Kupfer, wobei die starke Kalkhaltigkeit rasch schützende Schichten auf Metalloberflächen bildete. Dass die Anlage schließlich aufgegeben und in einen Garten umgewandelt wurde, erwies sich als Glücksfall für die Forschung: Anders als in modernisierten Bädern blieben die alten Ablagerungen erhalten. Auffällige chemische Schwankungen in den Krusten könnten außerdem mit variierenden Mengen vulkanisch gelösten CO₂ im Grundwasser zusammenhängen – möglicherweise ein frühes „chemisches Grollen“ des Vesuvs Jahrzehnte vor der Katastrophe.

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