Solingen testet Social-Media-Verbot für Fünftklässler – mit positiven Ergebnissen
Wichtige Fakten
- • Rund 1.400 Fünftklässler in Solingen verzichten freiwillig auf Social Media.
- • Schulpsychologe Markus Surrey spricht von einer psychischen Gesundheitsepidemie.
- • Laut JIM-Studie verbringen Jugendliche täglich rund 231 Minuten am Smartphone.
- • CDU und SPD diskutieren gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für Social Media.
- • Alle zwölf weiterführenden Schulen in Solingen beteiligen sich am Projekt.
Erfolgreiches Experiment in Solingen
In Solingen verzichten seit kurzem alle Fünftklässler stadtweit auf soziale Medien wie TikTok, Instagram und Snapchat – sowohl in der Schule als auch zu Hause. Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern haben einen Absichtsvertrag unterzeichnet, um dem endlosen Scrollen und der ständigen Ablenkung entgegenzuwirken. Schulleiter Andreas Tempel berichtet von positiven Veränderungen: Die Kinder interagieren wieder mehr auf dem Schulhof, und Mobbing-Vorfälle in sozialen Netzwerken sind zurückgegangen.
Psychische Gesundheit im Fokus
Schulpsychologe Markus Surrey, der das Projekt begleitet, spricht von einer „psychischen Gesundheitsepidemie“: Angsterkrankungen und Depressionen seien rapide angestiegen, oft bedingt durch unreflektierte Social-Media-Nutzung. Das Verbot habe dazu geführt, dass Schüler zufriedener wirken und die Schulhöfe lebendiger geworden sind. Surrey betont, dass ein kollektiver Ansatz nötig ist, um Kinder vor den Risiken zu schützen, da einzelne Eltern oft Schwierigkeiten haben, die Nutzung einzuschränken.
Politische Debatte und Kritik
Die politische Diskussion über Social-Media-Verbote für Kinder gewinnt an Fahrt: CDU und SPD setzen sich für eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren ein, während Kritiker wie die 13-jährige Schülervertreterin Anastasia Pick ein Verbot ablehnen und stattdessen mehr Aufklärung fordern. Laut JIM-Studie besitzen fast alle Jugendlichen ein eigenes Handy und verbringen im Schnitt täglich 231 Minuten damit, was oft zu Müdigkeit führt. Tempel sieht in Solingen ein Vorbild für ganz Deutschland, das zeigt, wie ein gemeinschaftliches Verbot „geräuschlos“ funktionieren kann.
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