Einigung im NRW-Einzelhandel: Löhne steigen, aber Reallohnverlust bleibt
Wichtige Fakten
- • Erster Tarifabschluss seit Frühjahr beendet Tarifkonflikt.
- • 3 Prozent mehr Lohn ab August, weitere 2 Prozent ab Mai 2027.
- • Mindestlohn in unteren Gruppen: 14,20 Euro ab 2026, 14,90 Euro ab 2027.
- • Reallohnverlust: Inflation seit 2020 rund 22 %, Tarifverdienste nur 19 %.
- • Nur für tarifgebundene Unternehmen; andere orientieren sich aber daran.
Einigung in fünfter Runde
Nach fünf Verhandlungsrunden ist der Tarifkonflikt im nordrhein-westfälischen Einzelhandel beigelegt. Arbeitgeber und Verdi einigten sich auf Lohnerhöhungen für tarifgebundene Beschäftigte: rückwirkend ab August 2026 steigen die Gehälter um drei Prozent, weitere zwei Prozent folgen im Mai 2027. Der Tarifvertrag läuft insgesamt 25 Monate. Erst am Dienstag hatten sich die Gespräche zäh gestaltet, nachdem die Verhandlungen in Hessen abgebrochen worden waren und Verdi Warnstreiks angekündigt hatte.
Konkrete Beispiele und Grenzen
Ein Beispiel verdeutlicht die Erhöhung: Eine Einzelhandelskauffrau mit sechs Berufsjahren verdient aktuell 3.219 Euro brutto, zunächst 97 Euro mehr pro Monat. Nach der zweiten Erhöhung rund 160 Euro monatlich. Für die unteren Lohngruppen gilt eine neue Untergrenze: 14,20 Euro pro Stunde, ab Mai 2027 dann 14,90 Euro. Laut Verdi-Handlungsführerin Henrike Eickholt profitieren auch Auszubildende von höheren Vergütungen.
Trotz der Einigung bleibt die Reallohnentwicklung negativ: Seit 2020 stiegen die Tarifverdienste in der Branche laut IW-Tarifexperten Hagen Lesch um etwa 19 Prozent, die Verbraucherpreise jedoch um rund 22 Prozent. Die Erhöhung gleiche den Inflation seit 2026 nicht aus, ein bescheidener Erfolg im Vergleich zu realen Engpässen.
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