Umfang sexueller Gewalt in katholischer Kirche deutlich größer als bekannt
Wichtige Fakten
- • ARD-Fakt fand mindestens 6.529 Betroffene und 2.848 Beschuldigte seit 1945.
- • Die offizielle MHG-Studie von 2018 nannte nur 3.677 Betroffene.
- • Experten gehen von hoher Dunkelziffer aus, viele Opfer schweigen aus Scham.
- • Kritik an Aufarbeitung ist in ostdeutschen Bistümern besonders groß.
- • Bistümer berufen sich oft auf Verjährung, was Prozesse verhindert.
Zahlen und Dunkelziffer
Das Ausmaß sexueller Gewalt in der katholischen Kirche in Deutschland ist laut einer Umfrage des ARD-Magazins Fakt deutlich größer als bisher offiziell bekannt. Seit 1945 gibt es mindestens 6.529 Betroffene und 2.848 Beschuldigte, während die MHG-Studie von 2018 nur 3.677 Betroffene und 1.670 Beschuldigte auf Grundlage von Aktenanalysen ermittelte. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Opfer ihre Fälle aus Scham nie öffentlich gemacht haben.
Einzelfall und Kritik
Ein dokumentierter Fall ist der von Norbert Denef aus Delitzsch, der als Kind von einem Vikar schätzungsweise 300 Mal missbraucht wurde. Trotz späterer Geständnisse des Täters wurde dieser mehrfach versetzt, was Betroffene als Vertuschung kritisieren. Die Aufarbeitung, die 2010 begann, wird besonders in ostdeutschen Bistümern als unzureichend angesehen, obwohl diese Bistümer schriftlich widersprechen und das Thema weiterhin als wichtig bezeichnen.
Entschädigungen und rechtliche Hürden
Betroffene wie Denef erhielten nur begrenzte Entschädigungszahlungen, insgesamt 55.000 Euro in zwei Tranchen. Bistümer berufen sich oft auf die Einrede der Verjährung, was Prozesse verhindert, da viele Taten mehr als drei Jahrzehnte zurückliegen. Dies unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen bei der Aufarbeitung und Glaubwürdigkeit der Kirche.
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