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Wirtschaft 16.03.2026, 07:52 Aktualisiert: 16.03.2026, 15:05

UniCredit drängt auf Übernahme der Commerzbank trotz Widerstands

UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Aktie im Tausch an.

Wichtige Fakten

  • UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien pro Commerzbank-Aktie im Tausch an.
  • Die Kapitalerhöhung wird am 4. Mai 2026 in einer Hauptversammlung entschieden.
  • UniCredit kontrolliert bereits 29,9% der Commerzbank-Anteile und will die 30%-Hürde überwinden.
  • Die Commerzbank lehnt Gespräche ab und sieht keine wertstiftende Transaktion.
  • Die Bundesregierung hält über 12% der Anteile und lehnt eine Übernahme ab.

Offizielles Übernahmeangebot vorgelegt

Die italienische Großbank UniCredit hat ein offizielles, freiwilliges Übernahmeangebot für die Commerzbank, das zweitgrößte börsennotierte deutsche Bankhaus, vorgelegt. Aktionäre der Commerzbank sollen 0,485 neue UniCredit-Aktien für jede ihrer Aktien erhalten, was einem Gesamtwert von etwa 34,7 Milliarden Euro entspricht und die Commerzbank-Aktie mit etwa 30,80 Euro bewertet. Über die dafür nötige Kapitalerhöhung soll bis zum 4. Mai 2026 in einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden werden, nur wenige Tage vor der geplanten Commerzbank-Hauptversammlung am 20. Mai.

Strategie und rechtliche Hürden

Das Angebot zielt darauf ab, die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden, da UniCredit bereits 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert. UniCredit-Chef Andrea Orcel betonte in einer Telefonkonferenz, er strebe einen "konstruktiven Dialog" an, um das Hin und Her der vergangenen Monate zu beenden. Er argumentiert, dass Europa größere Banken im Wettlauf mit den USA benötigt, und verwies auf die bereits bestehende Präsenz von UniCredit in Deutschland durch die HypoVereinsbank. Das freiwillige Angebot soll es UniCredit ermöglichen, die 30-Prozent-Schwelle zu überschreiten, ohne ein teureres Pflichtangebot auslösen zu müssen.

Politische und gewerkschaftliche Widerstände

Die Bundesregierung, die noch gut 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, setzt auf eine "starke und unabhängige Commerzbank" und lehnt die Übernahme ab. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums bezeichnete eine feindliche Übernahme als "nicht akzeptabel" und verwies auf Prüfungen durch die Europäische Zentralbank und das Bundeskartellamt. Die Gewerkschaft ver.di und Commerzbank-Betriebsräte kritisieren das Vorgehen als "geschäftsschädigend" und warnen vor möglichem Stellenabbau. Betriebsratschef Sascha Uebel kündigte Widerstand an und betonte, dass die Betriebsräte "zäh" seien.

Marktreaktion und Ablehnung der Commerzbank

Die Aktie der Commerzbank stieg an der Börse um bis zu 7,6 Prozent auf etwa 31,30 Euro, während UniCredit-Aktien leicht nachgaben. Die Commerzbank selbst sieht keine Grundlage für Gespräche und lehnt das Angebot ab, da es "keine weiteren Informationen bezüglich der Eckpfeiler einer wertstiftenden Transaktion" enthalte. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisierte, der Umtausch biete "faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre". UniCredit ist bereits größter Anteilseigner der Commerzbank, nachdem ein verunglückter Verkauf von Aktien durch die Bundesregierung im September 2024 den Einstieg ermöglichte.

Weitere Details und Reaktionen

UniCredit hat seine Beteiligung an der Commerzbank seit September 2024 schrittweise auf knapp 30 Prozent aufgebaut. Der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete den italienischen Vorstoß als "unfreundlichen Angriff". Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine Übernahme aufgrund der Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und Arbeitsplätze ab. Weitere große Investoren der Commerzbank sind BlackRock mit knapp 6 Prozent und der norwegische Staatsfonds mit etwa 3 Prozent. Die Commerzbank beschäftigt etwa 40.000 Mitarbeiter in 40 Ländern und ist eine wichtige Kreditgeberin für den deutschen Mittelstand.

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