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Klima 18.04.2026, 13:00 Aktualisiert: 18.04.2026, 23:07

Venedigs Mose-System vor neuen Herausforderungen durch steigenden Meeresspiegel

Mose-Flutschutzsystem rettete Venedig seit 2020 bereits 154 Mal vor Überflutungen.

Wichtige Fakten

  • Mose-Flutschutzsystem rettete Venedig seit 2020 bereits 154 Mal vor Überflutungen.
  • Steigender Meeresspiegel könnte Barrieren 200 Mal jährlich nötig machen – fast dauerhaft geschlossen.
  • Jede Schließung kostet über 200.000 Euro und blockiert Schiffsverkehr zum Hafen Marghera.
  • Barrieren stören Wasseraustausch, fördern Algenwachstum und schädigen Lagunen-Ökosystem.
  • Lagunenbehörde sucht global nach neuen Ideen für langfristigen Schutz der Stadt.

Das Mose-System schützt, aber der Klimawandel fordert Tribut

Das experimentelle elektromechanische Modul (Mose) schützt Venedig seit 2020 mit massiven Flutbarrieren an drei Laguneneingängen und hat die Stadt bereits 154 Mal vor Überflutungen bewahrt. Trotz dieses Erfolgs zwingt der durch die Klimakrise beschleunigte Meeresspiegelanstieg die Stadtbehörden bereits nach nur fünf Betriebsjahren zur Suche nach einem Plan B. Prognosen sagen bis Ende des Jahrhunderts einen zusätzlichen Meter Meeresspiegelanstieg voraus, was die Barrieren durchschnittlich 200 Mal pro Jahr schließen lassen würde – praktisch einen Dauerbetrieb.

Ökologische Schäden und wirtschaftliche Belastungen

Die häufigen Schließungen der Barrieren blockieren den natürlichen Wasseraustausch zwischen Lagune und Adria, was zu übermäßigem Algenwachstum, Sauerstoffmangel und Schäden am marinen Ökosystem führt. Zudem hat jeder Einsatz erhebliche wirtschaftliche Folgen: Eine Schließung kostet über 200.000 Euro und unterbricht den Schiffsverkehr durch den Malamocco-Eingang zum Hafen Marghera. Allein während des Karnevals 2026 verursachten 26 Schließungen in drei Wochen Kosten von über fünf Millionen Euro.

Suche nach langfristigen Lösungen

Die neu eingesetzte Lagunenbehörde unter Leitung von Andrea Rinaldo warnt, dass der aktuelle Trend das „Totenglöckchen für die Stadt“ bedeuten könnte, und fordert sofortiges Handeln. Geplant ist ein globaler Aufruf an Experten aus verschiedenen Disziplinen, um innerhalb eines Jahres innovative Vorschläge für einen nachhaltigen Schutz Venedigs zu entwickeln, der über reine Technik hinausgeht und auch die Wirtschaftsstruktur der Stadt neu denkt.

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