VW-Krise: Aufsichtsrat vertagt Entscheidung, Proteste an 18 Standorten
Wichtige Fakten
- • VW-Aufsichtsrat tagte am 9. Juli 2026. Keine konkreten Ergebnisse.
- • Proteste an 18 Standorten, 100.000 Stellen und vier Werke bedroht.
- • Betriebsratschefin Cavallo fordert Klarheit von Vorstandschef Blume.
- • VW-Zukunftsplan ohne Erwähnung von Werkschließungen veröffentlicht.
- • Werke Zwickau und Neckarsulm nicht durch VW-Gesetz geschützt.
Aufsichtsrat tagt unter Protest
Der VW-Aufsichtsrat ist am 9. Juli 2026 in Wolfsburg zusammengekommen. Vor dem Markenhochhaus protestierten hunderte IG-Metall-Mitglieder und Betriebsräte. Auch an 17 weiteren Standorten – darunter Hannover, Emden, Zwickau, Neckarsulm und Osnabrück – fanden Aktionen zwischen 11:20 und 14:00 Uhr statt. Auf Sitzungen und Demonstrationen fordern Arbeitnehmervertreter Klarheit von Vorstandschef Oliver Blume. Betriebsratschefin Daniela Cavallo setzt den Vorstand schriftlich in Verzug, sich zu den durchgesickerten Plänen zu äußern. Diese sehen die Schließung von vier deutschen Werken und den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen vor.
Konzernchef drängt auf Einsparungen, aber Schweigen zu Details
Hintergrund ist der drastische Absatzrückgang – von elf Millionen Fahrzeugen vor der Pandemie auf unter neun Millionen. Oliver Blume strebt eine radikale Verschlankung an, mögliche Werkschließungen und Ausgliederungen der Kernmarke stehen im Raum. VW-Chef Blume hat die konkreten Zahlen nie bestätigt, aber wiederholt auf die Ernsthaftigkeit des Sparkurses verwiesen. Eine offizielle Stellungnahme zu den genaueren Plänen fehlt bislang. Stattdessen veröffentlichte VW am Abend einen allgemein gehaltenen „Zukunftsplan“ bis 2030, der das Unternehmen schlanker und effizienter machen soll – ohne konkrete Angaben zu Stellen- oder Standortschließungen.
Tarifkompromiss reicht nicht, Verunsicherung wächst
Der 2024 ausgehandelte Kompromiss – inklusive Einsparzielen von 20 Prozent pro Werk und einer Standortsicherung bis 2030 – reicht wegen US-Zöllen, neuer Konkurrenz und weltweiter Krisen nicht mehr aus. Automobilexperten wie Stefan Bratzel und Schwope warnen vor einer düsteren Zukunft, sollte es nicht zu grundlegenden Reformen kommen. In Zwickau, wo VW 1,2 Milliarden Euro in die E-Mobilität investierte, und den anderen bedrohten Standorten wachsen die Sorgen. Die Arbeitnehmerseite erteilt Werkschließungen deutlich eine Absage, gewährt keine Abweichung von Tarifstandards und warnt vor einem „Sozialkahlschlag“. Da das Land Niedersachsen zusammen mit der Arbeitnehmerseite über eine Blockademehrheit im Aufsichtsrat verfügt, ist eine Zustimmung zu tiefgreifenden Schließungen oder einseitigen Kündigungen aktuell völlig offen. Gemeinsam mit Betriebsratschefin Cavallo und SPD-Ministerpräsident Olaf Lies zeichnet sich ab, dass beide Seiten Druck aufbauen – doch mit welchem Ergebnis, bleibt vorerst offen.
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