20 Jahre WM-Sommermärchen: Zwischen Party-Patriotismus und Nationalismus
Wichtige Fakten
- • 2006 entstand das Sommermärchen mit unverkrampftem Patriotismus.
- • Sozialwissenschaft prägte den Begriff Party-Patriotismus.
- • Rechtsextreme knüpften an den Party-Patriotismus an.
- • Studie zeigte, dass WM 2006 Nationalismus und Ausgrenzung förderte.
- • AfD nutzte 2024 rassistische Narrative gegen Nationalspieler.
Die Ursprünge des Party-Patriotismus
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde als Sommermärchen gefeiert. Millionen Menschen versammelten sich auf Fanmeilen, schwenkten Deutschlandfahnen und feierten ausgelassen – selbst nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft im Halbfinale. Der Song '54, '74, '90, 2006 der Band Sportfreunde Stiller entwickelte sich zur inoffiziellen Hymne des Events. Sänger Peter Brugger beschreibt die Allgegenwärtigkeit des Liedes als einzigartig. Der partyhafte Umgang mit nationalen Symbolen wurde von den Medien als Party-Patriotismus bezeichnet. Dieser vermeintlich unpolitische Jubel wurde jedoch von Rechtsextremen aufgegriffen und mit nationalistischen Botschaften verknüpft.
Schattenseiten des Events
Der Sportjournalist Ronny Blaschke verweist auf die Langzeitstudie 'Deutsche Zustände' von 2007, die belegte, dass die WM den Nährboden für Nationalismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bereitete. Vier Jahre später, bei der Fußball-EM 2024 in Deutschland, traten diese Probleme offen zutage: Spieler der Nationalmannschaft wurden rassistisch angefeindet, und die AfD diffamierte die Elf als 'Fremdenlegion'. Blaschke konstatiert, dass politische Systeme – ob demokratisch oder autokratisch – Fußball wegen seiner Reichweite instrumentalisieren. Zur anstehenden WM 2026 in den USA, die mit dem 250. Unabhängigkeitstag und dem 80. Geburtstag von Präsident Donald Trump zusammenfällt, erwartet der Experte eine neue Dimension dieser politischen Nutzung.
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