Fast die Hälfte der Landwirte verzichtet auf Agrardiesel-Rückvergütung
Wichtige Fakten
- • 2021 stellten nur 56% der Betriebe einen Antrag auf Agrardiesel-Rückvergütung.
- • In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen lag die Antragsquote bei nur etwa 40%.
- • Die durchschnittliche Erstattung pro Betrieb beträgt knapp 2.800 Euro.
- • Die Subvention kostet den Staat etwa 430 Millionen Euro jährlich.
- • Grünen-Politiker Karl Bär sieht darin ein Zeichen, dass viele Betriebe ohne die Rückerstattung auskommen.
Zusammenfassung der Datenlage
Eine Auswertung von BR Data mit exklusiven Zahlen für die Jahre 2021 und 2022 zeigt, dass fast die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland keinen Antrag auf die Agrardiesel-Rückvergütung gestellt hat. Konkret stellten 2021 rund 56 Prozent und 2022 etwa 57 Prozent der Betriebe einen Antrag auf die Steuerentlastung von 21,48 Cent pro Liter Diesel. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Karl Bär, der die Daten über eine Informationsfreiheitsanfrage erhielt, kommentiert: "Das bedeutet offensichtlich, dass viele Betriebe auch ohne diese Agrardiesel-Rückerstattung auskommen."
Regionale Unterschiede und Hintergründe
Die Antragsquote variiert stark zwischen den Bundesländern: In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen beantragten jeweils nur etwas mehr als 40 Prozent der Betriebe die Rückvergütung, während in Bayern und Niedersachsen mehr als zwei Drittel der Betriebe einen Antrag stellten. In Stadtstaaten wie Hamburg und Berlin ist die Quote besonders niedrig, was auf wenige kleine Betriebe mit geringem Dieselverbrauch zurückzuführen ist. Bauernverbände führen die niedrige Quote auf praktische Hürden wie das Online-Antragsverfahren über ein Zoll-Portal mit ELSTER-Zertifikat oder ein ungünstiges Verhältnis von Aufwand und Nutzung zurück, insbesondere bei Nebenerwerbsbetrieben.
Politische und wirtschaftliche Bewertung
Die Agrardiesel-Rückvergütung wurde nach massiven Bauernprotesten im Januar 2024, bei denen Tausende Landwirte auf der Straße des 17. Juni demonstrierten, wiedereingeführt und kostet den Staat etwa 430 Millionen Euro pro Jahr. Während das Bundeslandwirtschaftsministerium und der Deutsche Bauernverband ihre Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit betonen, sieht Agrarökonom Alfons Balmann sie eher als politisches Zeichen des Wohlwollens, insbesondere für haupterwerbliche Betriebe, und nennt sie ein "nettes Bonbon". Die durchschnittliche Erstattung pro Betrieb liegt bei knapp 2.800 Euro, kann bei größeren Betrieben höher ausfallen, bei Nebenerwerbsbetrieben aber auch nur wenige hundert Euro betragen.
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