Ahrtal-Flut: Fünf Jahre danach sind wir noch nicht gewappnet
Wichtige Fakten
- • Über 180 Todesfälle und 40 Milliarden Euro Schaden.
- • 3,7 Milliarden Euro Aufbauhilfen bewilligt, doch Gelder oft blockiert.
- • 15 Kilometer Ahrtalbahn elektrifiziert und mit 20-Minuten-Takt wiedereröffnet.
- • Viele Haushalte ersetzten Ölheizungen durch Wärmepumpen oder Nahwärmenetze.
- • Geplante 18 neue Dämme scheitern an politischem Willen.
Bilanz des Wiederaufbaus
Fünf Jahre nach der verheerenden Ahrtal-Flut zieht Eveline Lemke, ehemalige grüne Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, eine zwiespältige Bilanz. Zwar wurden über 3,7 Milliarden Euro an Aufbauhilfen bewilligt, doch viele Betroffene warten noch auf die Auszahlung wegen bürokratischer Hürden. Die Katastrophe forderte über 180 Todesopfer und verursachte Schäden von mindestens 40 Milliarden Euro – das teuerste Extremwetterereignis in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg.
Innovationen aus dem Chaos
Trotz der Zerstörung entstanden auch positive Entwicklungen: Die Ahrtalbahn wurde elektrifiziert und verkehrt jetzt im 20-Minuten-Takt, was ohne die Flut politisch nicht durchsetzbar gewesen wäre. Viele Haushalte ersetzten ihre Ölheizungen durch Wärmepumpen oder schlossen sich Nahwärmenetzen an, getrieben von der Erfahrung von Ölschlamm in den Häusern. Eine Genossenschaft namens Inframeta, gegründet von Ingenieuren, baute einen digitalen Wissenspool für öffentliche Infrastruktur auf.
Weiterhin unzureichender Hochwasserschutz
Lemke ist in das Forschungsnetzwerk KAHR eingebunden, das die Katastrophe aufarbeitet. Sie gesteht: Aktuell wäre die Region für eine Flut des Ausmaßes von 2021 nicht gewappnet. Ein skizziertes System aus 18 neuen Dämmen und anderen Hochwasserschutzmaßnahmen scheitert am fehlenden politischen Willen und fehlender Finanzierung. Sie appelliert, die Erinnerung an die Katastrophe wachzuhalten, um die gesellschaftliche Resilienz zu stärken, und fordert mehr Klimaschutz, um die Zunahme von Extremwettern zu bremsen.
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