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Gesellschaft 21.04.2026, 08:18 Aktualisiert: 21.04.2026, 10:11

Ausbeutung von Arbeitskräften aus Drittstaaten in der deutschen Fleischindustrie

Arbeiter aus Indien und Vietnam zahlen vier- bis fünfstellige Vermittlungsgebühren.

Wichtige Fakten

  • Arbeiter aus Indien und Vietnam zahlen vier- bis fünfstellige Vermittlungsgebühren.
  • Westfleisch bestätigt Gebühren bis 15.000 Euro an Vermittlungsagenturen.
  • Unternehmen wie Westfleisch und Tönnies beendeten Zusammenarbeit mit Agentur GG&C.
  • Arbeiter werden oft als Produktionshelfer bezahlt trotz Fachkräfte-Visum.
  • NRW-Arbeitsminister sieht rechtliche Verstöße bei fehlender qualifizierter Beschäftigung.

Ausbeutung in der Fleischindustrie

Recherchen des ARD-Politikmagazins Monitor zeigen, dass die deutsche Fleischindustrie zunehmend Arbeitskräfte aus Drittstaaten wie Indien und Vietnam anwirbt, die hohe Vermittlungsgebühren von bis zu 15.000 Euro zahlen und unter prekären Bedingungen arbeiten. Westfleisch bestätigte solche Gebühren, räumte aber ein, dass sie dem eigenen Werteverständnis widersprechen, und hat die Zusammenarbeit mit der Vermittlungsagentur GG&C beendet, die auch für andere Branchenriesen wie Tönnies (heute Premium Food Group) tätig war.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Verantwortung

Obwohl die Politik nach früheren Skandalen Werkverträge verbot, um Verantwortungsabwälzung zu beenden, sehen Experten wie Menschenrechtsexpertin Mimi Vu die Unternehmen in der Pflicht, Ausbeutung im Rekrutierungsprozess zu verhindern. NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betont, dass rechtliche Verstöße vorliegen, wenn Arbeiter nicht qualifiziert beschäftigt oder bezahlt werden, während Vermittlungsagenturen eine große Verantwortung tragen.

Perspektiven der Betroffenen

Für die Arbeiter bleibt die Lage schwierig: Hoch verschuldet und oft in Abhängigkeit geraten sie in ein System, in dem selbst im Krankheitsfall Entlassungen drohen und Wohnungen verloren gehen können. Westfleisch plant nun ein finanzielles Unterstützungspaket, doch die strukturellen Probleme der Branche bestehen weiter.

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