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Inland 11.02.2026, 09:14 Aktualisiert: 11.02.2026, 18:06

Deutsche IS-Gefangene im Irak: Angehörige harren auf Informationen

Etwa 30 deutsche ehemalige IS-Mitglieder sitzen in Gefängnissen in Nordostsyrien fest.

Wichtige Fakten

  • Etwa 30 deutsche ehemalige IS-Mitglieder sitzen in Gefängnissen in Nordostsyrien fest.
  • Fünf deutsche Männer wurden in das Gefängnis Abu Ghraib im Irak verlegt.
  • Die Bundesregierung plant keine Rückholung der Inhaftierten aus Sicherheitsgründen.
  • Im Irak drohen Verfahren nach irakischem Recht, möglicherweise mit Todesstrafe.
  • In Deutschland laufen parallel Prozesse gegen zurückgekehrte IS-Anhänger wie Lydia G.

Verlegung deutscher IS-Gefangener in den Irak

Nach Informationen von BR und SWR wurden mehrere deutsche ehemalige IS-Terroristen aus Gefängnissen in Nordostsyrien in den Irak verlegt, wobei fünf Männer ins berüchtigte Gefängnis Abu Ghraib gebracht worden sein sollen. Insgesamt sitzen etwa 30 Deutsche in syrischer Haft, und die Bundesregierung hat betont, sie nicht zurückholen zu wollen, was auf Sicherheitsbedenken zurückzuführen ist. Die Verlegung erfolgte im Rahmen eines Abkommens mit der Kurdenverwaltung, nachdem Milizen Gefängnisse übernahmen und Gefangene entkamen.

Angehörige warten verzweifelt auf Informationen

Angehörige in Deutschland, wie die Mutter von Argon aus Bayern, warten seit Jahren auf Lebenszeichen, da sie seit 2017 nichts von ihrem Sohn gehört hat. Argon reiste 2014 zum IS und geriet 2017 in kurdische Gefangenschaft. Seine Mutter bewahrt persönliche Dinge wie ungewaschene Wäsche und eine Haarlocke auf und leidet unter Schlafstörungen. Sie hofft, dass ihr Sohn in Freiheit ist, und zweifelt daran, dass er noch radikal ist, da er in Briefen seine Reue ausdrückte.

Rechtslage und diplomatische Bemühungen

Im Irak könnten Verfahren nach irakischem Recht drohen, was die Sorge vor der Todesstrafe schürt, obwohl die Bundesregierung dagegen ist. Das Auswärtige Amt hat Kontakt zu irakischen Stellen aufgenommen, um konsularischen Zugang zu ermöglichen, bleibt aber vage in seinen Antworten an Angehörige. Werner P. aus Baden-Württemberg, dessen Sohn Dirk möglicherweise verlegt wurde, befürchtet einen Prozess im Irak und kritisiert die mangelnde konkrete Information.

Expertenmeinung und parallele Prozesse in Deutschland

Expertin Sofia Koller vom Counter Extremism Project fordert, dass Deutschland Verantwortung übernimmt und die Inhaftierten zurückholt, um sie hier vor Gericht zu stellen. Sie weist auf schlechte Haftbedingungen, Re-Radikalisierungsgefahr und mögliche Gefängnisausbrüche hin. Parallel laufen in Deutschland Prozesse, wie der gegen Lydia G. vor dem Oberlandesgericht München, der ihr Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorwirft. Lydia G. sitzt in Untersuchungshaft und erwartet einen rechtsstaatlichen Prozess.

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