Energiewende: Erneuerbare im Nachteil, Atomkraft anfällig für Hitzewellen
Wichtige Fakten
- • Bundeswirtschaftsministerium plant regionale Lenkung des Erneuerbaren-Ausbaus.
- • Atomkraftwerke in Frankreich, Ungarn, Rumänien wegen Hitzewellen gedrosselt.
- • Netzbetreiber werden geschont, Anlagenbetreiber zahlen für Netzausbau.
- • Bundesumweltministerium kündigt Hitzeaktionsplan für 2027 an.
- • Wasserkraft ungewisse Zukunft, Wind und Sonne robust.
Netzpaket und EEG-Reform: Erneuerbare unter Druck
Die Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums zur Reform des Erneuerbaren-Ausbaus stoßen auf Kritik. Oliver Hummel, Vorstand beim Ökoenergieversorger Naturstrom, warnt vor einer spürbaren Bremswirkung: Die Summe der geplanten Maßnahmen – von Baukostenzuschüssen über Einspeisebegrenzungen bis hin zu Veränderungen am Referenzertragsmodell – bedrohe den Zubau von Wind- und Solarenergie. Trotz der Entschärfung des Redispatch-Vorbehalts bleibe ein hohes Maß an Unsicherheit für Investoren. Besonders kritisch sieht Hummel die Schieflage bei der Verantwortung: Die Anlagenbetreiber müssten die Netzprobleme ausbaden, während die Netzbetreiber als Verursacher weitgehend geschont würden.
Klimaanpassung: Hitzeplan und Forschungsförderung
Nach wochenlangem Zögern kündigte das Bundesumweltministerium einen nationalen Hitzeaktionsplan für 2027 an. Hummel zweifelt jedoch, dass Klimaanpassung in der Politik ausreichend Priorität erhält. Er verweist auf die Konkurrenz von Grünflächen und Verkehrsinfrastruktur in der Stadtplanung. Zudem fordert er, dass die Forschungsgelder für innovative Energietechnologien nicht gekürzt werden. Naturstrom engagiert sich unter anderem in einem Projekt zur Solarthermie in Isolierglaskollektoren und unterstützt Studien zu Energy Sharing und dynamischen Netzentgelten.
Hitzeanfälligkeit konventioneller Kraftwerke
Hummel zeigt sich überrascht, dass die aktuelle Hitzewelle in vielen Ländern zum Drosseln von Atomkraftwerken führt, etwa in Frankreich mit zehn Reaktoren, in Ungarn mit dem AKW Paks (weniger als neun Prozent Leistung) oder in Rumänien, wo die Regierung einen Felsen in der Donau sprengen ließ, um Kühlwasser umzuleiten. Die daraus resultierende Erkenntnis: Konventionelle Kraftwerke, sowohl nukleare als auch fossile, sind anfälliger für die Folgen des Klimawandels als erneuerbare Energien, mit Ausnahme der Wasserkraft, deren Zukunft ungewiss ist. Er mahnt, dieses Argument bei zukünftigen Debatten über die Zuverlässigkeit der Atomkraft zu berücksichtigen.
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