EU-Pestizid-Zulassung: Fungizid Fluazinam birgt wohl Risiken für Gehirnentwicklung
Wichtige Fakten
- • Studie findet sechs Fehler in Hersteller-Studie zu Fluazinam.
- • Fluazinam wird im Kartoffel- und Zwiebelanbau gegen Pilze eingesetzt.
- • Wissenschaftler: Mittel hätte 2008 nicht zugelassen werden dürfen.
- • EU und AGES prüfen die Zulassung des Fungizids neu.
Fehlerhafte Studie zur Zulassung von Fluazinam identifiziert
Das Fungizid Fluazinam, das im Kartoffel- und Zwiebelanbau eingesetzt wird, steht nach einer neuen Analyse unter Verdacht, die Gehirnentwicklung von Ungeborenen und Kindern zu schädigen. Ein Forscherteam der Stockholmer Universität hat eine Hersteller-Studie aus dem Jahr 2005 überprüft und kommt zu dem Schluss, dass die ursprüngliche Auswertung fehlerhaft war. Den Wissenschaftlern zufolge hätte das Mittel bereits 2008 nicht zugelassen werden dürfen. In der ersten Studie waren keine negativen Effekte auf die Gehirnentwicklung von Rattennachwuchs festgestellt worden. Die Neuberechnung ergab jedoch statistisch signifikante Veränderungen, darunter kleinere Gehirne. Die Studie des Forscherteams liegt dem BR, SVT und Guardian exklusiv vor und wird noch peer-reviewed, wird aber von unabhängigen Experten als plausibel eingestuft.
Hersteller und Behörden reagieren zurückhaltend
Der Hersteller ISK Biosciences sieht keine Veranlassung, die Bewertung infrage zu stellen, betont aber die gesetzlichen Prüfverfahren. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA und die österreichische AGES haben angekündigt, die Daten nun doch zu überprüfen. Landwirte warnen vor Ernteausfällen, falls Fluazinam vom Markt genommen wird. Umweltverbände fordern dagegen ein sofortiges Verbot. Die EU reformiert derzeit die Pestizidzulassung – unbefristete Genehmigungen sind geplant, was die Debatte weiter anheizt.
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