EU-Stahlquoten bedrohen ukrainische Industrie im Krieg
Wichtige Fakten
- • EU halbiert zollfreie Stahlimportkontingente und verdoppelt Zoll auf 50%.
- • Metinvest-Chef Ryzhenkov warnt vor Zerstörung der ukrainischen Stahlindustrie.
- • Ukrainische Stahlproduktion ist durch Krieg und Infrastrukturangriffe beeinträchtigt.
- • Metinvest kann wegen Krieg nicht in sauberere Öfen investieren.
- • Metinvest verlor重要 Anlagen in Mariupol und Pokrovsk durch Kampfhandlungen.
EU-Importbeschränkungen für Stahl
Die Europäische Union führt zum 1. Juli neue Schutzmaßnahmen für ihren Stahlmarkt ein. Angesichts einer globalen Überproduktion, vor allem durch China, werden die zollfreien Einfuhrkontingente halbiert. Für Importe über das jeweilige Länderkontingent hinaus wird ein Zoll von 50 Prozent fällig. Dies hat einen Wettlauf unter den Handelspartnern um möglichst hohe Anteile ausgelöst, darunter auch Großbritannien, dessen Stahlindustrie vor einer existenziellen Bedrohung warnt.
Ukraine besonders betroffen
Für die Ukraine kommt die Entscheidung eines militärischen Verbündeten zur Unzeit. Durch den Krieg sind alternative Absatzmärkte weggefallen, während die Stahlhersteller enger mit Europa integriert sind. Zudem belasten ständige Angriffe auf Infrastruktur die Produktion. Yuriy Ryzhenkov, Chef des größten ukrainischen Stahlproduzenten Metinvest, bezeichnet die Maßnahmen als unfair. Die ukrainische Industrie sei zu klein, um eine ernsthafte Bedrohung für die EU darzustellen. Die Quoten würden eine der wenigen funktionierenden Industrien lahmlegen.
Steuerausfälle bedrohen Kriegskasse
Die ukrainischen Stahlhersteller argumentieren, dass die Quoten auch den Krieg gegen Russland schwächen, da dem Staat dringend benötigte Steuereinnahmen in Höhe von Hunderten Millionen Pfund entgehen. Metinvest, im Besitz von Rinat Akhmetov, gilt als größter privater Steuerzahler des Landes. Hinzu kommen bereits bestehende CO2-Grenzabgaben der EU, die ukrainischen Stahl zusätzlich verteuern.
Krieg vereitelt Modernisierung
Metinvest möchte zwar in umweltfreundlichere Elektrolichtbogenöfen investieren, doch der Krieg macht dies unmöglich. Die Werke bei Saporischschja und Kamjanske laufen nur zu 70 bis 75 Prozent Auslastung. Ständige Schäden an Bahnstrecken und unzuverlässige Stromversorgung erschweren die Arbeit. Eigene Generatoren helfen, Ausfälle zu überbrücken. Früher im Krieg wurde das Stahlwerk in Mariupol zerstört, seit einem Jahr fehlt auch die Kokskohlemine in Pokrowsk.
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