Franziskanerorden gesteht systematisches Versagen bei Missbrauchsaufarbeitung
Wichtige Fakten
- • Über 100 Menschen wurden seit 1945 in Franziskanereinrichtungen missbraucht.
- • 98 Ordensmänner wurden als Tatverdächtige identifiziert.
- • Bis 2010 wurde kein einziges Verfahren proaktiv veranlasst.
- • Die Täterquote im Orden lag bei etwa vier Prozent.
Umfassendes Versagen bei Aufarbeitung
Der deutsche Franziskanerorden hat ein umfassendes Versagen in der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs eingeräumt. Provinzialminister Markus Fuhrmann bat Betroffene um Vergebung für die "entsetzlichen Taten" und das Versagen von Verantwortlichen, "die nicht hingesehen, nicht zugehört oder nicht ausreichend gehandelt haben".
Studie zeigt Ausmaß der Gewalt
Eine Studie des Münchner IPP-Instituts ermittelte mehr als 100 Betroffene sexueller Gewalt in Einrichtungen des Franziskanerordens seit 1945, meist Kinder und Jugendliche, sowie 98 namentlich identifizierte Ordensmänner als Tatverdächtige. Dies entspricht einer Täterquote von etwa vier Prozent bei 2.500 Franziskanern im Betrachtungszeitraum, wobei das Dunkelfeld als deutlich größer eingeschätzt wird.
Kritik an Vertuschungspraxis
Laut Studienautor Peter Caspari wurde kein einziger Fall aus den eigenen Reihen des Ordens aufgedeckt, und bis 2010 wurden keine proaktiven kirchen- oder strafrechtlichen Verfahren veranlasst. Betroffenenvertreter Peter Krosch warf der Ordensleitung jahrelange Vertuschungspraxis und Wegducken vor. Der Orden bezeichnet die Studie als entscheidenden Schritt zur Aufarbeitung und plant weitere Maßnahmen zur Prävention.
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