Hitzeschutz: Neue Forderungen nach Erfassung von Hitzetoten und mehr Klimaanpassung
Wichtige Fakten
- • Patientenschützer fordern, Hitze als Todesursache auf Totenscheinen zu vermerken.
- • ver.di-Umfrage: Temperaturen bis 45 Grad in Pflegeheimen, 41% melden über 30 Grad.
- • Umweltminister Schneider will Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe im Grundgesetz verankern.
- • Jeder Hitzetag kostet Deutschland eine halbe Milliarde Euro an Wirtschaftsleistung.
- • Bundesregierung uneinig: Kein Hitzegipfel, keine Sofortmaßnahmen, Deutschland im Hitzestau.
Hitzetote: Forderung nach besserer Erfassung
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, Hitze als Todesursache auf Totenscheinen zu vermerken, um die Folgen des Klimawandels endlich sichtbar zu machen. Bislang basieren die offiziellen Zahlen auf Schätzungen des Robert Koch-Instituts, das die Übersterblichkeit anhand statistischer Modelle berechnet – zuletzt wurden etwa 12.500 Hitzetote für dieses Jahr genannt. DIVI-Experte Uwe Janssens hält diese Schätzung jedoch für zu niedrig: Viele Todesfälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen oft Organversagen als Ursache stehe. Janssens fordert einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan und mehr Investitionen, um besonders gefährdete Gruppen wie alleinlebende Ältere zu schützen – auch durch Nachbarschaftshilfe und soziale Netzwerke.
Zustände in Pflegeheimen und politische Forderungen
Eine ver.di-Umfrage unter 321 Pflegekräften zeigt alarmierende Zustände: In Spitzenzeiten stiegen die Temperaturen in Pflegeheimen auf bis zu 45 Grad. Rund 41 Prozent der Beschäftigten meldeten Werte über 30 Grad. Elf Prozent berichteten von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnern, zehn Prozent von Dehydrierung und neun Prozent von hitzebedingten Todesfällen. Sylvia Bühler von ver.di fordert ein Sofortprogramm von Bund und Ländern für Hitzeschutz und energetische Sanierung der Einrichtungen, um auch die hohen Eigenbeiträge der Bewohner zu senken. Der Städtetag und weitere Verbände unterstützen diese Forderungen.
Umweltminister Schneider drängt auf Klimaanpassung
Angesichts wirtschaftlicher Schäden von einer halben Milliarde Euro pro Hitzetag will Bundesumweltminister Carsten Schneider eine Grundgesetzänderung auf den Weg bringen: Klimaanpassung soll zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern werden. Vorgesehen ist auch ein nationaler Hitzeaktionsplan, der allerdings erst im nächsten Jahr vorgelegt werden soll. Die Union zeigt sich bislang skeptisch, Experten erwarten langwierige Verhandlungen. In der Koalition herrscht Uneinigkeit: Wirtschafts- und Verkehrsminister verfolgen andere Prioritäten, ein Hitzegipfel bleibt aus. Die Grünen drängen auf mehr Tempo und fordern Investitionen in den Haushalten. Ohne breite Unterstützung im Kabinett bleibt Schneiders Vorstoß vorerst ein Einzelkämpfer-Projekt.
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