Starmer-Rücktritt: Burnham baut Personal für Regierungsübernahme auf
Wichtige Fakten
- • Starmer trat zurück, nachdem er Vertrauen seiner Fraktion verloren hatte.
- • Andy Burnham ist der einzige Kandidat für die Nachfolge.
- • Wes Streeting unterstützt Burnham und könnte Finanzminister werden.
- • James Purnell als Burnhams Stabschef vorgesehen.
- • Ein formeller Wettbewerb um die Führung ist bis zum 16. Juli möglich.
Starmer tritt zurück: Kein Skandal, sondern enttäuschte Erwartungen
Der britische Premierminister Keir Starmer hat nach rund zwei Jahren im Amt seinen Rücktritt angekündigt. Experte Nicolai von Ondaraz zufolge scheiterte er nicht an einem Skandal, sondern daran, dass er den großen Wandel, den er nach dem Wahlsieg versprochen hatte, nie einlösen konnte. Nach Niederlagen bei Regional- und Lokalwahlen verlor er zunehmend das Vertrauen seiner Abgeordneten und trat zurück.
Gründe für das Scheitern: Knappe Mehrheiten und selbst auferlegte Grenzen
Starmer hatte eine überwältigende absolute Mehrheit errungen, aber in vielen Wahlkreisen nur knapp – was viele Labour-Abgeordnete um ihre Wiederwahl fürchten ließ. Zudem schränkte er seinen Spielraum durch Versprechen ein, Steuern nicht erhöhen, keine neuen Schulden aufnehmen und das Brexit-Abkommen nicht neu verhandeln zu wollen. So konnte er den erwarteten Wandel nicht umsetzen und verlor sukzessive an Zustimmung in Bevölkerung und Partei.
Burnham als Spitzenkandidat: Gespräche mit Starmer und erster Personalentscheidungen
Andy Burnham, neu gewählter Abgeordneter für Makerfield und ehemaliger Bürgermeister von Manchester, ist der wahrscheinlichste Nachfolger. Er traf sich mit Starmer zu einem einstündigen Gespräch, um einen geordneten Übergang zu gewährleisten. Starmer autorisierte zudem Zugangsgespräche mit Beamten für potenzielle Kandidaten. Sollte Burnham ohne Gegenkandidaten bleiben, könnte er bereits am 17. Juli Premierminister werden. Berichten zufolge will er den früheren Blair-Minister James Purnell als seinen Stabschef in Downing Street holen – ein Schritt, der als Zeichen für Kontinuität und Erfahrung gewertet wird.
Spekulationen um den Finanzministerposten
Große Aufmerksamkeit gilt der Besetzung des Finanzministerpostens. Burnhams Verbündete signalisierten, dass er die derzeitige Schatzkanzlerin Rachel Reeves in sein Team holen will, möglicherweise in einer untergeordneten Position. Als mögliche Nachfolger für das Finanzministerium werden Wes Streeting (der Burnham unterstützt) und Ed Miliband gehandelt. Streeting gilt als marktfreundliche Option, während Miliband als politisch näher zu Burnham gesehen wird. Auch Pat McFadden und Yvette Cooper werden genannt. Der ehemalige Labour-Minister Lord Jim O’Neill riet Burnham, die Entscheidung von seinen Prioritäten abhängig zu machen.
Herausforderungen: Haushalt, Verteidigung und EU-Annäherung
Der wirtschaftliche Druck bleibt hoch. Reform UK und die Finanzmärkte beobachten jede Bewegung genau. Burnham muss innerhalb der von Reeves gesetzten Fiskalregeln handeln und hat bereits Steuererhöhungen ausgeschlossen. Verteidigungsausgaben stehen im Fokus, nachdem Ex-Verteidigungsminister John Healey wegen unzureichender Mittel zurücktrat. EU-Annäherung bleibt ein Fernziel; Burnham zeigte sich vorsichtig, nachdem er im Wahlkampf seine Pro-EU-Äußerungen abmilderte. Ein formaler Führungswettbewerb ist möglich, falls Kandidaten wie Darren Jones oder Al Carns genügend Unterstützung sammeln.
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