Kolumbiens Friedensplan: 99 Kämpfer in der Schwebe
Wichtige Fakten
- • Nur 99 von 30.000 Kämpfern entwaffnet.
- • Präsident Abelardo De la Espriella lehnt Friedensabkommen ab.
- • Schutzstatus der Ex-Guerilleros bis 25. Dezember befristet.
- • Ehemalige Guerilleros droht Festnahme oder ‚Verschwinden‘.
- • Ohne Rechtsrahmen droht Ex-Kombattanten Angst vor Verhaftung.
Fehlgeschlagener 'Totaler Frieden'
Der ehrgeizige Plan des früheren Präsidenten Gustavo Petro, alle bewaffneten Gruppen Kolumbiens durch Verhandlungen zu entwaffnen, ist weitgehend gescheitert. Von schätzungsweise 30.000 Kämpfern legten nur 99 die Waffen nieder – mitten im Wahlkampf, drei Tage vor der Stichwahl. Dieser Teilerfolg steht im Kontrast zur Realität der Gewalt, die unter Petros Regierung die höchsten Werte seit einem Jahrzehnt erreichte. Die geschätzten 30.000 Mitglieder krimineller Gruppen, darunter Guerillas, Paramilitärs und Drogenbanden, kontrollieren weiterhin weite Teile des Landes und profitieren vom Kokainhandel und illegalem Bergbau.
Ungewisse Zukunft der Entwaffneten
Die 99 ehemaligen Kämpfer, die in einem befristeten Übergangszentrum (ZUT) im Süden Kolumbiens untergebracht sind, befinden sich in einem „rechtlichen Schwebezustand“. Ihr Schutzstatus basiert auf Dekreten des Vorgängerpräsidenten, die der neue Präsident Abelardo De la Espriella, ein Gegner der Friedensabkommen, jederzeit aufheben könnte. Ohne neue Rechtsgrundlage riskieren sie, sogenannte Kriegsverbrechen oder andere Straftaten vergangener Kämpfe betreffend, verhaftet zu werden – denn das bestehende Gesetz erlaubt keine Amnestie für schwere Verbrechen wie Entführung oder Drogenhandel. Die ehemaligen Guerilleros haben De la Espriella zu Gesprächen eingeladen, jedoch keine Antwort erhalten.
Schwierige Integration
Die 13 Frauen und 86 Männer im ZUT, darunter Jüngste mit 19 Jahren, versuchen, ihr Leben neu zu organisieren. Sie erhalten Schulungen und psychosoziale Betreuung, doch ihre finanzielle Unterstützung wurde bislang nicht ausgezahlt. Viele bangen um ihre Familien und hoffen auf eine dauerhafte Friedensperspektive. Einige planen, mit Hühnerzucht ein neues Leben zu beginnen – doch einen rechtlichen Rahmen für den Übergang in die Zivilgesellschaft gibt es nicht. Die Regierung De la Espriellas hat angekündigt, gegen kriminelle Gruppen vorzugehen, ohne zu spezifizieren, wie vergangene Waffenstillstände behandelt werden.
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