Korruption an Bulgariens Grenze: Lebensmittelkontrollen ausgehebelt
Wichtige Fakten
- • Privatfirma kontrolliert seit 2011 Grenzübergang Kapitan Andreewo.
- • Ex-Chef der Lebensmittelkontrollbehörde wirft Regierung Vertuschung vor.
- • 500 Tonnen Lebensmittel und 1,3 Millionen Eier beschlagnahmt.
- • Pro Tag angeblich bis zu eine Million Euro Schmiergelder.
- • Pestizidbelastetes Obst gelangt ungehindert in deutsche Supermärkte.
Korruptionssystem an der EU-Außengrenze
Der ehemalige Direktor der bulgarischen Lebensmittelkontrollbehörde, Angel Mawrowski, hat ein schwerwiegendes Korruptionssystem am Grenzübergang Kapitan Andreewo zur Türkei enthüllt. Seit 2011 sei die Grenzkontrolle an eine Privatfirma vergeben worden, die von der organisierten Kriminalität kontrolliert werde. Lkw mit Lebensmitteln passierten die Grenze gegen Bestechungsgelder von 350 bis 700 Euro – ohne Kontrollen. Die angeblichen Laborergebnisse seien gefälscht. Pro Tag könnten so rund eine Million Euro eingenommen werden.
Machenschaften trotz Wechseln in der Regierung
Mawrowski, der 2022 und 2025 kurzzeitig mit der Aufgabe betraut wurde, die Missstände zu beheben, wurde jeweils nach Regierungswechseln entlassen. Die aktuelle Regierung von Ministerpräsident Rumen Radew setzt nach eigener Aussage auf eine grundlegende Reform der Behörde. Agrarminister Plamen Abrowski verteidigt jedoch die Zusammenarbeit mit privaten Kontrolleuren. Er lehnt EU-Kontrolleure an der Grenze ab – das wäre ein Eingeständnis, dass Bulgarien seine Grenze nicht allein schützen könne.
Gefahr für EU-Verbraucher
In Deutschland warnte Foodwatch: Verbraucher könnten nicht darauf vertrauen, dass belastete Lebensmittel komplett herausgefiltert würden. Laut Europäischer Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind etwas mehr als die Hälfte aller untersuchten Lebensmittel pestizidbelastet, 2,5 Prozent über dem Grenzwert. Langfristiger Verzehr erhöhe das Risiko für Krebs, Alzheimer und Unfruchtbarkeit.
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