Medikamentenengpässe in Deutschland: Produktion wandert ab, Lieferketten bröckeln
Wichtige Fakten
- • Über 550 Lieferengpässe listet das Bundesinstitut für Arzneimittel.
Situation in Kliniken und Apotheken
Medikamentenengpässe sind in Apotheken und Kliniken alltäglich, wie das Beispiel der Kölner Holweide-Klinik zeigt, wo monatelang Antibiotika fehlten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet über 550 Lieferengpässe, wobei Generika mit 80 Prozent der verordneten Tagestherapiedosen eine zentrale Rolle spielen, aber nur 6,9 Prozent der Arzneimittelausgaben ausmachen.
Ursachen der Engpässe
Die Produktion von Generika wird zunehmend aus der EU verlagert, da die Herstellung aufgrund niedriger Preise wenig profitabel ist. Neue EU-Vorgaben wie die Abwasserrichtlinie ab Januar 2025 und Anforderungen zu umweltfreundlichen Treibgasen erhöhen die Kosten, die Hersteller nicht einfach an Kunden weitergeben können. Der Anteil der generischen Wirkstoffproduktion in der EU ist seit 2000 von 59 auf 33 Prozent gesunken, und Hersteller wie Aristo schließen Standorte in Berlin.
Zielkonflikte und Perspektiven
Fachleute sehen einen grundlegenden Zielkonflikt zwischen steigenden Umweltstandards, niedrigen Gesundheitskosten und dem Wunsch, die Produktion in Europa zu halten. Ohne politische Gesamtstrategie könnte die Abwanderung der Produktion wichtiger Medikamente fortschreiten, was zu häufigeren Lieferengpässen führen würde.
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