Nach Dammbruch in Brasilien: Ermittlungen gegen TÜV SÜD in München schleppen sich hin
Wichtige Fakten
- • 270 Tote bei Dammbruch in Brasilien 2019
- • Anklage frühestens Ende 2026 entschieden
- • Verjährung der Vorwürfe wird wahrscheinlicher
- • Ermittler ließen TÜV SÜD Beweise selbst suchen
- • 1.500 Kläger fordern 600 Mio. Euro Schadensersatz
Hintergrund der Katastrophe
Mehr als sieben Jahre nach dem verheerenden Dammbruch einer Eisenerzmine in Brasilien mit 270 Toten laufen die Ermittlungen in Deutschland schleppend. Die Staatsanwaltschaft München will NDR, WDR und SZ zufolge frühestens Ende 2026 über eine Anklage gegen einen TÜV-SÜD-Manager wegen fahrlässiger Tötung entscheiden. Der Damm war Monate zuvor von einer brasilianischen Tochterfirma der TÜV SÜD AG für stabil erklärt worden.
Schleppende Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft beteuert, das Verfahren werde mit Hochdruck betrieben, doch die lange Dauer macht eine Verjährung der Vorwürfe immer wahrscheinlicher. Erst im Sommer 2024, fünf Jahre nach der Katastrophe, stellten Ermittler Beweise in der Münchner Zentrale sicher – allerdings ohne Razzia: Der Konzern suchte die Unterlagen selbst heraus. Der TÜV SÜD weist jede rechtliche Verantwortung zurück und verweist auf die Einhaltung brasilianischer Normen.
Parallelverfahren
In Brasilien stehen unterdessen vier Ingenieure des TÜV SÜD wegen vorsätzlicher Tötung vor Gericht. Parallel läuft ein Zivilprozess in München, bei dem fast 1.500 Angehörige rund 600 Millionen Euro Schadensersatz fordern. Der Konzern hat hohe Rückstellungen für die Verteidigung gebildet, einen schriftlichen Abschlussbericht der internen Untersuchung gibt es aber nicht.
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