Teilen:
Politik 11.05.2026, 02:45 Aktualisiert: 11.05.2026, 23:01

Druck auf Starmer eskaliert: Kabinettsmitglieder fordern Rücktrittsfahrplan

Über 70 Labour-Abgeordnete fordern öffentlich Starmers Rücktritt.

Wichtige Fakten

  • Über 70 Labour-Abgeordnete fordern öffentlich Starmers Rücktritt.
  • Innenministerin Mahmood und Außenministerin Cooper drängen auf geordneten Übergang.
  • Labour verlor bei Kommunalwahlen über 1.400 Sitze in England.
  • Starmer lehnt Rücktritt ab, will beweisen, dass Zweifel unrecht haben.
  • Vize-Premier Lammy und Verteidigungsminister Healey raten ebenfalls zu Rücktritt.

Kabinett drängt auf geordneten Machtwechsel

Der Druck auf den britischen Premierminister Keir Starmer hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach Informationen der BBC und des Guardian drängten mehrere hochrangige Kabinettsmitglieder Starmer dazu, einen Zeitplan für seinen Rücktritt vorzulegen. Demnach sollen ihm Innenministerin Shabana Mahmood und Außenministerin Yvette Cooper persönlich nahegelegt haben, einen geordneten Machtwechsel einzuleiten. Auch Vize-Premierminister David Lammy und Verteidigungsminister John Healey äußerten sich ähnlich. Ein Kabinettsminister sagte dem Guardian, es gebe unterschiedliche Ansichten, aber Starmer müsse vor der Kabinettssitzung am Dienstag eine Entscheidung treffen. Dieselbe Quelle berichtet, dass einige Kabinettsmitglieder öffentlich wütend auf Andy Burnham und Wes Streeting sind, weil sie durch ihre Unterstützer die Führungskrise angeheizt hätten.

Mehr als 70 Abgeordnete fordern Rücktritt

Die öffentlichen Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen steigen weiter an: Über 70 Labour-Abgeordnete haben inzwischen Starmers Rücktritt gefordert, wie der Sender Sky und die BBC berichten. Das entspricht rund 25 Prozent der Hinterbänkler. Darunter sind mehrere parlamentarische Staatssekretäre, die ihre Ämter niederlegten, etwa Tom Rutland, Naushabah Khan und Melanie Ward. Zur Abwehr ernannte Starmer noch am Montag sechs neue PPS – Zeichen seines Willens, sich nicht kampflos geschlagen zu geben. In einer Rede bekräftigte Starmer, er werde nicht zurücktreten und das Land nicht ins Chaos stürzen. Seine Botschaft an die Zweifler: „Ich weiß, ich habe Zweifler, und ich weiß, ich muss sie vom Gegenteil überzeugen. Das werde ich tun.“ Doch unter den Abgeordneten wächst die Skepsis, ob er dies noch schaffen kann.

Kein Konsens über Nachfolge

Die Frage der Nachfolge ist weiterhin offen. Ehemalige Vizeparteichefin Angela Rayner sprach sich für eine Rückkehr von Andy Burnham ins Parlament aus – bisher scheiterte dieser aber an innerparteilichen Hürden. Der 2024 in Manchester wiedergewählte Bürgermeister der Metropolregion Greater Manchester gilt als möglicher Anwärter auf die Parteiführung. Auch Wes Streeting, der Gesundheitsminister, wird als Kandidat gehandelt, hält sich aber öffentlich zurück. Allerdings forderte ein Vertrauter von Streeting, Chris Curtis, als erster Vorsitzender des einflussreichen Labour Growth Groups Starmers Rücktritt bis September. Der innerparteiliche Flügelkampf hat sich damit weiter intensiviert.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.