Teilen:
Wirtschaft 09.05.2026, 14:49 Aktualisiert: 09.05.2026, 23:02

Paketboten in Deutschland: Schlüsselrolle der Subunternehmen

Paketboten von Subunternehmern erhalten oft nur 9 Euro Stundenlohn.

Wichtige Fakten

  • Paketboten von Subunternehmern erhalten oft nur 9 Euro Stundenlohn.
  • Tägliche Arbeitszeiten von bis zu 14 Stunden sind keine Seltenheit.
  • Die Vergütung für Ein- und Verladung der Pakete wird oft nicht gezahlt.
  • Fahrer müssen 450 Euro für ein Bett in Mehrbettzimmern zahlen.
  • DPD verweist auf Kontrollen ihrer Subunternehmen.

Missstände bei DPD-Zustellern

Rund zehn Millionen Pakete werden täglich in Deutschland zugestellt, ein Großteil über private Dienstleister wie DPD. Eine ARD-Plusminus-Recherche zeigt, dass die Arbeitsbedingungen der Fahrer oft gegen Gesetze verstoßen. So wird der 22-jährige Paketbote Georgu aus Rumänien von seinem Subunternehmer nur zu deutlich unter dem Mindestlohn von 13,90 Euro beschäftigt. Er beginnt um sieben Uhr mit dem Sortieren der Pakete im Depot, bekommt diese Zeit aber nicht bezahlt. Seine tatsächliche Arbeitszeit beträgt bis zu 14 Stunden, sein Durchschnittslohn liegt bei unter neun Euro.

Schwarzarbeit und dubiose Vermittlung

Weitere Fahrer berichten von ähnlichen Praktiken: lange Tage ohne Bezahlung, dazu häufig Barzahlungen der Hälfte des Lohns - offenbar um Schwarzarbeit zu verschleiern. Ein Subunternehmer stellte die Fahrer in einer Wohngemeinschaft unter, in vier Betten pro Zimmer, für 450 Euro monatlich. Die Rechnung wird direkt vom Gehalt abgezogen. Sozialwissenschaftler Stefan Sell von der Hochschule Koblenz bezeichnet die Zustände als menschenunwürdig und die Branche als einen „Wilden Westen”. Sie fordert die direkte Anstellung der Fahrer bei den Lieferdiensten.

DPDs Kontrollanspruch und die Realität

DPD selbst verlangt von ihren rund 770 Systempartnern die Einhaltung aller Gesetze. Ein Subunternehmer aus Bayern legt jedoch anhand seiner Bilanzen offen, dass von den 2,15 Euro pro angesteuerte Adresse und 0,30 Euro pro Paket nur rund 3.000 Euro monatlicher Gewinn übrig bleiben. Der Bundesrat forderte bereits 2023 in einer Entschließung, die Subunternehmerkette zu beenden, doch das Arbeitsministerium hat es bisher nicht umgesetzt.

Kein Briefing mehr verpassen

Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.

Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen. Abmeldung jederzeit.