Revolution für Biogas: Brennstoffzellen als Speicher der Zukunft?
Wichtige Fakten
- • Brennstoffzellen wandeln Biogas mit 74,2% Wirkungsgrad in Strom um.
- • Reversible Zellen können überschüssigen Strom in Methan speichern.
- • Nur 300 der 9.000 Biogasanlagen sind ans Gasnetz angeschlossen.
- • Vielen Biogasanlagen droht nach 20 Jahren das Ende der EEG-Förderung.
Der Einsatz von Hochtemperatur-Brennstoffzellen in Biogasanlagen könnte die Art der Stromerzeugung und -speicherung revolutionieren. Das bayerische Start-up Reverion hat solche Anlagen entwickelt und in Feldtests einen elektrischen Wirkungsgrad von 74,2 Prozent erzielt – zehn Prozentpunkte mehr als jedes Gas- und Dampfkraftwerk. Anders als bei herkömmlichen Biogasmotoren läuft der Prozess nahezu geräuschlos ab.
Ein zentraler Vorteil der reversiblen Brennstoffzellen ist ihre Fähigkeit, in die Gegenrichtung zu arbeiten: Überschüssiger Strom aus Wind- und Solarenergie kann in Wasserstoff umgewandelt und langfristig gespeichert werden. So ließe sich sogenannte Dunkelflauten überbrücken. Felix Fischer, Mitgründer von Reverion, sieht ein Potenzial von bis zu 200 Terawattstunden erneuerbarem Methan im deutschen Gasnetz, was etwa drei Monaten Gasverbrauch entspricht.
Jedoch stehen erhebliche Hürden im Weg. Von über 9.000 Biogasanlagen in Deutschland sind bisher nicht einmal 300 an das Gasnetz angeschlossen – die Kenngröße für den Abtransport des Gases. Zudem zeigt sich die langfristige Stabilität der Brennstoffzellen über tausende Zyklen im Feld noch nicht bewiesen. Auch für die Betreiber ist die Situation schwierig: Durch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) endet für immer mehr Anlagen nach zwanzig Jahren die Förderung, sodass profitable Betriebsmodelle unsicher sind. Kritiker bezweifeln daher, dass die Technologie sich ohne zusätzliche politische Anreize flächendeckend durchsetzen wird.
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