Sarajevo 30 Jahre nach der Belagerung: Spuren des Krieges und mühsame Versöhnung
Wichtige Fakten
- • Die Belagerung dauerte 1.425 Tage und forderte über 11.000 Tote.
- • Bosnien und Herzegowina hat seit 2022 den Status eines EU-Beitrittskandidaten.
- • Drei bosnisch-serbische Generäle wurden für Kriegsverbrechen verurteilt.
- • Das Friedensabkommen von Dayton beendete 1995 den Krieg und die Belagerung.
Die historische Belagerung
Die Belagerung Sarajevos während des Bosnien-Krieges dauerte 1.425 Tage, von 1992 bis 1995, und forderte über 11.000 Menschenleben. Die Stadt war fast vollständig von bosnisch-serbischen Truppen umstellt, die aus den umliegenden Bergen permanenten Beschuss ausübten. Die Zivilbevölkerung lebte unter extremen Bedingungen: Strom-, Wasser- und Lebensmittelknappheit sowie ständige Gefahr durch Scharfschützen prägten den Alltag. Selbst einfache Strecken wie die sogenannte 'Sniper-Alley' waren lebensgefährlich, wie das Beispiel von Faruk Šabanović zeigt, der 1995 angeschossen wurde und seitdem im Rollstuhl sitzt.
Spuren des Krieges heute
Heute zeigen Touren für Touristen die neuralgischen Punkte der Belagerung, wie den Marktplatz, wo 1994 eine Mörsergranate 68 Menschen tötete, oder die ehemalige Frontlinie an der olympischen Bobbahn von 1984. Die Stadt hat sich zu einem lebendigen, multikulturellen Zentrum entwickelt, doch die Kriegsspuren bleiben sichtbar. Der jüdische Friedhof diente als wichtige Scharfschützenposition, von der aus Zivilisten leicht zu erkennen waren. Adnan Hasanbegović, ein ehemaliger Soldat, führt diese Touren und engagiert sich in Versöhnungsinitiativen, die Veteranen aller Seiten zusammenbringen.
Politische und gesellschaftliche Entwicklung
Das Friedensabkommen von Dayton beendete 1995 den Krieg, doch die politische Situation in Bosnien und Herzegowina bleibt komplex, geprägt von zwei Entitäten: der Föderation Bosnien und Herzegowina und der serbisch dominierten Republika Srpska. Seit Dezember 2022 hat das Land den Status eines EU-Beitrittskandidaten, aber innere Zerrissenheit bremst den Beitrittsprozess. Internationale Aufarbeitung erfolgte durch Verurteilungen bosnisch-serbischer Generäle, darunter Ratko Mladic, vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Kulturelle Projekte wie der Oscar-nominierte Film 'Quo vadis, Aida?' tragen zur Aufarbeitung bei.
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