Sechs Jahre nach Hanau: Stilles Gedenken und unverarbeiteter Schmerz
Wichtige Fakten
- • Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag in Hanau mit neun Todesopfern.
- • Erstmals keine zentrale Gedenkveranstaltung, nur stille Kranzniederlegungen.
- • Hinterbliebene fordern weiter Aufklärung zu Versäumnissen und Pannen.
- • Ein Überlebender starb vor wenigen Wochen an den Anschlagsfolgen.
- • Oberbürgermeister sieht gesamtgesellschaftlich keine Fortschritte gegen Rechtsextremismus.
Gedenken im sechsten Jahr
Sechs Jahre nach dem rassistischen Anschlag von Hanau, bei dem ein Täter neun Menschen tötete, gedachten Hinterbliebene und die Stadt in diesem Jahr erstmals ohne zentrale Veranstaltung. Stattdessen fanden stille Kranzniederlegungen an den Tatorten Heumarkt und Kesselstadt sowie auf Friedhöfen statt. Oberbürgermeister Claus Kaminsky betonte, dass dies bereits vorab mit den Angehörigen besprochen worden sei und nicht mit der kontroversen Rede einer Hinterbliebenen im Vorjahr zusammenhänge.
Unverarbeiteter Schmerz der Familien
Für die Familien der Opfer bleibt der Verlust schmerzhaft präsent. Eltern wie Emiş und Selahattin Gürbüz beschreiben eine anhaltende Sehnsucht nach ihrem Sohn Sedat, dessen persönliche Gegenstände sie aufbewahren. Viele Hinterbliebene sind enttäuscht über ausbleibende Konsequenzen aus einem Untersuchungsausschuss, der Versäumnisse rund um den Anschlag aufzeigte. Einige, wie die Eltern von Hamza Kurtović, ziehen bis vor das Verfassungsgericht.
Aufklärungsforderungen und gesellschaftliche Bilanz
Die Hinterbliebenen fordern weiterhin umfassende Aufklärung, insbesondere zu einem verschlossenen Notausgang und einem nicht funktionierenden Notruf am Tatabend. Oberbürgermeister Kaminsky zog eine ernüchternde Zwischenbilanz: Gesamtgesellschaftlich seien im Kampf gegen Rechtsextremismus keine wesentlichen Fortschritte erzielt worden. Positiv hob er jedoch Initiativen für Demokratie und das geplante Zentrum für Demokratie und Vielfalt hervor.
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