Spritpreiskrise: Neue Regelung zeigt kaum Wirkung, Politik sucht nach Entlastungsmaßnahmen
Wichtige Fakten
- • Tankstellen dürfen Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, doch Benzin und Diesel werden weiter teurer.
- • Bundesfinanzminister Klingbeil fordert mit EU-Partnern eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne zur Finanzierung von Entlastungen.
- • Wirtschaftsministerin Reiche lehnt Übergewinnsteuer und Tempolimit ab, bevorzugt höhere Pendlerpauschale und Senkung der Stromsteuer.
- • Das Bundeskartellamt hat mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise, soll diese aktiv nutzen, fordern Politiker.
- • Hohe Spritpreise führen zu gesteigertem Interesse an gebrauchten Elektroautos, Nachfrage hat sich verdreifacht.
Neue Tankstellenregelung zeigt kaum Wirkung
Seit Mittwoch dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, basierend auf dem österreichischen Modell, um mehr Klarheit für Verbraucher zu schaffen. Diese Neuregelung hat jedoch die Preisentwicklung eher befördert als begrenzt, mit großen Preissprüngen an Tankstellen. Die Preise für Benzin und Diesel steigen weiter, und ein Ende ist nicht in Sicht. Trotz der Spritpreisbremse hat der Preis für Diesel sogar einen neuen Rekordwert erreicht, wie der ADAC berichtet.
Politische Debatte um Übergewinnsteuer und Entlastungen
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil erhöht den Druck und fordert in einem Brief an Kanzleramtschef Thorsten Frei und Wirtschaftsministerin Katharina Reiche weitere Maßnahmen zur Entlastung. Zusammen mit den Finanz- und Wirtschaftsministern aus Österreich, Italien, Portugal und Spanien hat er die EU-Kommission direkt aufgefordert, schnell ein Instrument für eine Übergewinnsteuer vorzulegen, um Sondergewinne von Ölkonzernen abzuschöpfen. Mit den Einnahmen könnten Entlastungen wie eine Ausweitung der Pendlerpauschale, eine Mobilitätsprämie oder eine zeitlich befristete Senkung der Energiesteuer finanziert werden. Kanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Reiche lehnen diese Steuer jedoch ab, mit Verweis auf verfassungsrechtliche Bedenken und die Notwendigkeit zielgerichteter Maßnahmen.
Alternative Vorschläge und Positionen
Andere diskutierte Maßnahmen umfassen ein Tempolimit, das von Ökonomin Veronika Grimm und Grünen-Chef Felix Banaszak befürwortet wird, um Spritverbrauch und Preise zu dämpfen, während Reiche dies als unwirksam ablehnt. Zudem werden temporäre Senkungen der Energiesteuer oder ein Tankrabatt erwogen, doch Experten kritisieren diese als zu ungenau oder haushaltsbelastend. Reiche lehnt auch autofreie Sonntage und staatliche Steuernachlässe ab und setzt stattdessen auf eine temporäre Anhebung der Pendlerpauschale und eine Senkung der Stromsteuer für private Haushalte. Innerhalb der eigenen Partei gibt es Kritik, etwa vom Berliner Bürgermeister Kai Wegner, der Preisobergrenzen und eine Aussetzung der CO2-Steuer fordert, während Finanzminister Klingbeil und Verbraucherschutzministerin Stefanie Hubig einen flexiblen Preisdeckel unterstützen.
Bundeskartellamt und Taskforce
Das Bundeskartellamt hat mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise erhalten, und Politiker wie Armand Zorn (SPD) und Sepp Müller (Union) fordern dessen aktive Nutzung zur Überprüfung der Preisbildung an Tankstellen. Eine Taskforce zu den hohen Energiepreisen infolge des Iran-Krieges wurde von den Koalitionsfraktionen eingesetzt, um Lösungen zu erarbeiten. Sie betonen, dass das Kartellamt ohne zu zögern eingreifen muss, wenn sich Preissprünge nicht plausibel erklären lassen.
Auswirkungen auf Elektromobilität
Die hohen Spritpreise führen zu einem gesteigerten Interesse an gebrauchten Elektroautos. Laut der Gebrauchtwagenplattform mobile.de hat sich der Anteil der E-Auto-Suchen im März im Vergleich zum Februar verdreifacht, und Autohändler erhielten 66 Prozent mehr Anfragen zu gebrauchten Elektrofahrzeugen. Die hohen Benzinpreise wirken wie ein Katalysator für die Elektromobilität, obwohl Experten bezweifeln, dass dies direkt zu mehr Kaufentscheidungen führt. Dennoch gewinnen E-Autos an Relevanz, da sie oft günstigere laufende Kosten als Verbrenner bieten, insbesondere beim Laden zu Hause.
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